
Allerlei über das Verhalten unserer Hunde
"Denn biologische Grundlage für jede Hundeforschung muss der Wolf (Canis
Lupus) sein.
Nur bei Kenntnis wölfischen Verhaltens ist eine Zuordnung hundlicher
Verhaltensweisen
nach ihrer biologischen Bedeutung möglich, können Aussagen darüber gemacht
werden,
wie welche Verhaltensweisen bei welcher Rasse qualitativ und quantitativ im Zuge
der
Domestikation sowie der selektiven Zuchtwahl verändert wurden.
Der Wolf ist sozusagen die "biologische Messlatte", das Referenzsystem
für die Zuordnung
und Beurteilung hundlichen Verhaltens".
Dr. Dorit Feddersen-Petersen in Breeder Special Ausgabe
3/2005 S. 38/39
Quellen: Verschiedenste Literatur (von
Zeitungen über Bücher bis hin zu Zeitschriften etc.), Erfahrungen
erfahrener Hundeleute, Querbeet durch das Internet, Seminare und Vorträge etc.
etc.
Diese Informationen dienen nur zum besseren Verständnis unserer
Hunde. Ich habe nur solche Infor-
mationen genutzt, die meiner Meinung nach, allgemein Sinn machen. Aber darüber
lässt sich ja
streiten - oder auch nicht.
Sollte
ich irgendwelche Copyrights übersehen oder unwissentlich verletzt haben, bitte ich um Mitteilung.
| Duftsignale
bei Hunden Markierungen sind wie eine hinterlegte Visitenkarte Wölfe haben es schon immer getan und Hunde haben es bis in die heutige Zeit übernommen: das Markieren ihres Territoriums. Wenngleich es beim Wolf ums Überleben ging, ob seine markierten Grenzen von Feinden eingehalten wurden, will ein Hund auch ganz gern der Chef in seinem Umfeld sein. Hier fühlt er sich stark und verteilt an exponierten Stellen seine Duftmarken. Besonders nicht kastrierte Rüden heben ständig das Bein, um ein wenig Urin abzugeben. Aber nur nicht zu viel, denn ein wenig sollte immer in Reserve sein – wer weiß, vielleicht findet sich ja noch eine unbefleckte Stelle. Die gibt es natürlich in besonderem Maße auf Spaziergängen. Hierbei wird so viel Zeit wie möglich mit Schnüffeln verbracht. Und zwar sowohl gegenseitig als auch an jeder Stelle, die zuvor von einem anderen Hund markiert wurde. Womit wird markiert? Markierungen werden hauptsächlich in Form von Kot und Urin abgegeben. Diese platzieren Hunde möglichst auffällig: Kot wird ein klein wenig erhöht abgesetzt, Urin beim Männchen in Kopfhöhe verteilt. Wie eine Art Luftpost dringen ständig Nachrichten in der Hundenase ein: "Läufiges Weibchen – Nachbarhund - hab ich schon mal drei Bäume vorher gerochen ...". Zeitung lesen und Schlagzeilen schreiben Nicht alle Hunde haben auf Spaziergängen die Absicht, ihr Revier zu kennzeichnen. Einige wollen einfach nur eine Botschaft hinterlassen und riechen, wer so da war. Für sie ist das beinahe wie Zeitung lesen. Manche wollen allerdings neue Schlagzeilen schreiben: Selbstbewusste und dominante Hunde verteilen ihre Witterung nach dem Markieren häufig durch ausgeprägtes Scharren. Damit ist im Umkreis von einigen Metern das Territorium gekennzeichnet. ´ Im Haus markieren Das ist im Park nicht weiter schlimm, im Garten bereits nicht gerade gern gesehen, im Haus dagegen eine Katastrophe. Im Alter von sechs bis zwölf Monaten wird ein männlicher Welpe lernen, das Bein zu heben. Was liegt näher, als der Versuch, durch das Markieren von Vorhängen, Tischbeinen und Fernsehsesseln das schöne Wohnzimmer als sein Territorium zu kennzeichnen. In einem solchen Fall hilft nur eine Klarstellung der Rangverhältnisse. Seine untergeordnete Stellung sollte es ihm im Haus nicht erlauben, ein Revier (derart) inne zu haben. Im Zweifelsfall hilft nur eine Kastration. Aber wahrscheinlich versteht der Welpe bald, dass Zeitung lesen - und Schlagzeilen schreiben – für ihn nicht wie bei Herrchen im Wohnzimmer sondern im Garten oder auf Spaziergängen stattfindet. Die
soziale Beißhemmung beim Hund Erlerntes
Selbstschutzverhalten Körper- und
Lautsprache des Hundes Einer der größten -
überheblichen - menschlichen Irrtümer ist die Behauptung, Tiere könnten
nicht sprechen. Wir meinen mit „Sprache" nur Sätze mit
menschlichen Lauten. Tatsache ist: Tiere besitzen vielfältige Sprachen.
Nur verstehen die meisten Menschen sie nicht, oder selten, oder falsch.
Wenn Menschen lächeln und dabei ihre Zähne zeigen, kann das ehrlich sein
oder geheuchelt. Wenn Hunde ihre Zähne zeigen, ist das weder geheuchelt
noch zum Lachen. Sie drohen. Doch beide können von ihren
unterschiedlichen Gesten und Mimiken, ihrer verschiedenen Körper- und
Lautsprache lernen. Selbst die Verkümmerung
ursprünglicher Rudelkommunikation von Wölfen zu unseren Haushunden lässt
noch erkennen, wie sich Hunde untereinander laut- und körpersprachlich
verständigen. In abgelegenen Gehöften ist dies noch erhalten geblieben,
wenn sich ein Hofhund meldet, schlagen die anderen in der näheren (hörbaren)
Umgebung in die Hunde-Nachrichtenmeldung ein. Der Ring an Anwesenheit erklärt
die zwangsweise getrennte Rudel-Unterhaltung. Manche Hunde quatschen auch
dabei zu viel. Wegen Unterbeschäftigung in Einzelhaft. Zuerst sollten wir
begreifen, dass der gesunde Hund besser hört als wir. Also ist kein
Geschrei nötig. Schreien verrät nicht nur Hunden Unsicherheit und
Aggressivität. Die deutsche Sprache ist eine hervorragende Dienstsprache,
weil sie zischt und hart klingt. Aber Sitz und Platz, Los und Fass klingen
zu ähnlich. Die englische Sprache
unterscheidet für den Hund deutlicher: „Down" für „Platz",
„Sit" für „Sitz". Der Unterschied zwischen den beiden Tätigkeiten
„niederlegen" und „sitzen" ist für den Hund klar, zumal
„down" angenehmer, beruhigender klingt. Um bei der deutschen
Sprache mit vielen Zischlauten zu bleiben, sollten wir demnach das
„Sitz!" vom „Plaaaatz" deutlicher trennen. Sprechen Sie
„Platz" also gedehnter, tiefer aus. Ein „Pass auf!" können
Sie dann schärfer, anregender sprechen. Dazu dient das schärfer
gesprochene „Passss". Alle diese Gebots-Hörzeichen
können verständlich ohne Geschrei ausgesprochen werden. Wie wollen Sie
mal stärker betonen, wenn Sie schon aus vollem Halse schreien? Jedes
denkende Lebewesen stumpft ab, wenn Gebote und Verbote immer in der
schrillsten Tonart befohlen werden. Wie doch bei uns Menschen auch. Wenn
Sie moderat, ruhig sprechen, können Sie schon mal, wenn der Hund
versucht, das Hörzeichen zu ignorieren, deutlicher betonen. Um dann
wieder mit ruhigem Ton weiterzusprechen. Lernen Sie, die Gebots-Hörzeichen
von den Verbots-Hörzeichen auch unterschiedlich zu betonen, und der Hund
hört immer häufiger (darauf), weil er ebenfalls das angenehme Gebot vom
unangenehmen Verbot unterscheiden kann. Monoton gesprochene Hörzeichen
- ob Verbot oder Gebot - sind nicht zu unterscheiden. Wenn man aus lauter
Unsicherheit zwischen die klaren Hörzeichen einen menschlichen Satz
einbaut, verquatscht man die Deutlichkeit. Folge: Der Hund weiss nicht
mehr, was gemeint ist. Wenn Ihr Hund sich vier, fünf Jahre an Sie gewöhnt
hat, dann weiss er, was Sie meinten. Vielleicht. Aber bis zu diesem Verständnis
war es ein adrenalinreiches Leben. Ihr Hund folgte vielleicht nur aus
blindem Gehorsam, Einfühlungsvermögen, Druck oder Angst. Mit zunehmender Gewöhnung
an Ihre sprachlichen und körperlichen Eigenarten findet der Hund heraus,
was sie ihm bedeuten. Er lernt, mit zunehmendem Alter feinere Unterschiede
herauszuhören. Der ganze tierische
Sprechunterricht ist natürlich dann für die Katz, wenn andere
Miterzieher völlig durcheinander befehlen. Der Hund wird dann
notgedrungen tun, was er für sich heraushört. Und das wird immer das
sein, was für ihn angenehm ist. Natürlich läuft ein Hund lieber ohne
Leine, sogar ohne Halsband, aber zu seinem Schutz und zum Schutz anderer
geht es oft nicht ohne diese Hilfsmittel. Schlimmste Folge: Er rennt in
ein Auto oder er springt ein Kind an. Das kostet nicht nur, es erzeugt
Hass. Der Hund ist nicht schuld, denn er lernte es nicht besser. Man sieht
und hört die eklatantesten Fehler immer wieder: Der Hund wird bestraft,
wenn er herkommt. Auch wenn er nicht auf geschrieenen Befehl nicht folgt:
Der Hund verknüpft nur das unmittelbare Tun. Warum sollte er auf diesen
furchterregenden Ton hereinfallen und dann, wenn er es doch tun, auch noch
bestraft werden? Da wäre er ganz schön bescheuert. Und diesen Fehler
macht er nur einmal. Loben
muss man können. Wo und wie loben?
Das Wichtigste: Das Lob muss ernst gemeint sein, also nur nach erbrachter
(und nicht nur angedeuteter) Leistung - und kein Selbstlob! Manche tragen
prallgefüllte Leckerle-Tüten mit sich und verteilen rundum und alle
Minuten. Das ist nur Eigensucht: „Guckt nur, alle Hunde kommen zu
mir!" Die Hunde nehmen es, klar, aber nicht als Lob. Sie wollen doch auch
nicht ständig durch leichte Schläge auf den Hinterkopf geärgert werden?
Also loben (kraulen, streicheln) Sie ihn dort, wo er es ebenfalls als Lob
empfindet: am Nacken, an der Kruppe (Schwanzansatz), am Bauch, weniger am
Hals. Hinter den Ohren kraulen mag nicht jeder Hund. Es sind empfindsame
Stellen. Augenpartien, Ohrlappen, Genitalien und Ruten sind als Lobeszonen
tabu. Und zwar besonders für Kinder und Fremde. Das sind die sensibelsten
Zonen bei einem Hund. Das heisst nicht,
dass Sie den Hund auch noch loben sollen, wenn er das Gebot nicht
beachtete und irgend wann einmal doch herkommt. Ignorieren Sie es und
korrigieren Sie sich durch verstärkte Anregung, damit er freudiger zu
Ihnen kommt. Spielzeuge, Stöckchen, ein gespieltes Rückwärtsrennen von
Ihnen hilft. Sie müssen ihn überzeugen, dass Sie interessanter sind als
der Hund da drüben. Die meisten Halter
verwechseln das Loben beim richtigen Anlass zum richtigen Zeitpunkt mit
Verknuddeln. Dies versteht der Hund als Spielaufforderung und nicht als
Lob. Richtig: Wenn er - nach Ihren verständlichen Zeichen - was korrekt
ausgeführt hat, und nicht nur angetäuscht, dann mit der freien Hand kurz
an der Flanke oder am Hals drüberfahren, eventuell mit einem lobenden
Wort. Basta. Wer ihm vermeintlich freundlich einen Klaps gibt, munter ihn
zum Spiel auf oder löst seine korrekte Ausführung vorzeitig auf. Ähnliche
Missverständnisse kennen Sie ja: der joviale Schulterschlag unter
Menschen kann das Gegenteil von Lob bedeuten. Ihr Hund wird
spontaner und freudiger zu Ihnen kommen, wenn er Angenehmes erwarten kann
und keinen Anschiss zur falschen Zeit. Wer zu spät reagiert, den bestraft
der konsequente Hund. Management
by Motivation. Soll auch im
Berufsleben wirken. Das Verständnis für den Hund fängt damit an, dass
man ihn überhaupt kennt. Verstehen heisst vergleichen. Der Urahn Wolf
braucht, das wissen wir dank Verhaltensforschung und Wildbiologie, ausgeprägte
Regeln weil er ein sehr soziales Rudeltier ist - ja sein muss - um so
gescheit zu überleben, wie er es uns gelehrt hat. Er konnte sich
anpassen, weil in seinem Rudel eiserne Regeln gepflegt werden. Diese
Ordnung ist biologisch. Wir haben
damit Schwierigkeiten, weil wir uns von natürlicher Ordnung entfremdet
haben. Wir müssen die Natur wieder neu lernen, wollen wir Tiere
verstehen. Selbst der Stadtneurotiker, der dekadenteste Superrassehund
beherrscht - wenn er es von Klein auf lernen durfte - die Regeln der
Hundesprache. Im Vergleich zum Wolf sind sie freilich, wegen dem Umgang
mit Menschen, geändert. Man kann nicht sagen, reduziert. Sie haben sich
nur dem Menschen angepasst, so weit es dem Rudeltier Hund möglich war.
Diese Signale müssen wir wieder neu entdecken. So fällt uns das
tierliche Verständnis wesentlich leichter, schlussendlich das Miteinander
logischer. Das heisst: nicht vermenschlichend eigennützig, sondern verständnisvoll
das Andere im anderen Lebewesen sehen, hören, riechen können. Dies
bedeutet im übertragenen Sinne nichts anderes, als Toleranz gegenüber
anderen Lebewesen zu üben. An den Körper- und Lautsignalen unterscheiden
sich auch die Geschlechter und das Alter. Auch körperbauliche Typen
differieren. Das spielauffordernde
Knurren eines Herdenschutzhundes klingt viel dumpfer und tiefer, für
kleinere Tiere bedrohlicher als das eines Winzlings. Der Resonanzboden des
Brustkorbs macht die Töne: Bass gegen Flöte. Die bauartbedingten
Bewegungen eines Bernhardiners sind ungleich schwerfälliger als die eines
italienischen Windspiels oder kleinen Terriers. Herdenschutzhunde wirken
nur schwerfällig. Sie erstaunen dann unwissentliche Beobachter durch
vergleichsweise grosse Behendigkeit. Die Spielaufforderung eines extrem
niederläufigen Dackels ist wesentlich schlechter ausgeprägt als die
eines hochläufigen Hetzhundes. Der Dackel hat nur wenige Zentimeter, um
mit dem Vorderbau Bodenkontakt aufzunehmen als ein Hund, der 80 Kilo
oder/und 80 Zentimeter Schulterhöhe misst. Hunde in ihrer angezüchteten
oder naturbelassenen Vielfalt verhalten sich art- und aufgabengemäss. Die
beiden Extreme Jagdteckel und Irish Wolfhound machen es deutlich. Die
Beispiele Schlittenhund oder stehohrige Schäferhunde zeigen viel
deutlicher Mimiken und Gesten als ein um die Signale Haare, Rute oder
Ohren gebrachter Hund. Bei einem Lefzenmonster (meist Molosser) oder mit
Überfell verdeckten Fang ein drohendes Fletschen zu erkennen, ist fast
unmöglich, wenn da nicht der Ton dazukäme. Das Kupieren von Ruten und
Ohren, ein mimik- und sichtbehinderndes Überfell, Sichtbehinderungen oder
unbiologische Kopfformen, Nasenraum-Rückbildungen, und ähnliche züchterische
Exzesse behindern nicht nur den Hund in seiner Kommunikationsfähigkeit,
sondern auch den Menschen, der einen fremden Hund beurteilen will und
muss. Selbst ein ausgebildeter Hund gibt deutlichere Signale von sich als
ein dumm gehaltener. „Ausbildung" ist auch wörtlich zu verstehen. Es gibt kein
eindeutigeres Beispiel zur optischen wie psychischen Beurteilung als ein möglichst
wolfsähnlicher Typus. Die Schlittenhunde Husky oder Alaskan Malamute sind
ebenso mustergültig wie die stehohrigen Schäferhunde aller Schläge.
Selbst schlappohrige Herdenschutzhund, Schäfer- (Hirten-) oder Hofhunde
zeigen ein deutliches Gehabe. Auch sie haben alle Signale dran, die
Menschen und Hunde zur Beurteilung brauchen. Dabei ist der stockhaarige
(mittlere Haarlänge) Hund - eben mit einem wolfsähnlichen Kleid - noch
zu bevorzugen, denn nur an ihm vermögen sich Nackenhaare noch zu sträuben.
Vergleichen heisst auch hier verstehen beziehungsweise unterscheiden: Ein
Sumoringer ist wesentlich bewegungspassiver als ein
Fliegengewichts-Karateka, ein Zwei-Meter-Riese steifer als ein Pygmäe,
ein drahtiger Extremsportler agiler als ein asthmatischer Stubenhocker.
Ein Kleinkind ist unbeholfener als ein gestandenes Mannsbild oder eine
umsichtige Mutter. Biologisch, oder? Hunde sind freilich
ungleich frühreifer als Menschen, wie alle unkomplizierten höheren
Lebewesen. Zur Gesamtbeurteilung gehört auch das Einschätzen des Alters.
Früher ging man etwas schlicht davon aus, dass ein Hundejahr etwa sieben
Menschenjahren entspricht. Zur Zeit kursiert die Relation: erstes
Hundejahr gleich 14 Menschenjahre. Stimmt auch nicht mehr. Die Formel ist
zu einfach. Das wissen wir heute wesentlich genauer. Aus den genannten
physischen und psychischen Arten ergeben sich grosse Unterschiede. Grosse
Hunde sind Langsamentwickler. Kleine sind früher „reif".
Ein Kleinterrier zum Beispiel ist, pauschal geurteilt, mit zehn Monaten
schon erwachsen, ein riesiger Herdenschutzhund dagegen erst ab zwei
Jahren. Dabei dürfen auch die artgemässen Temperamente nicht
unterschlagen werden, siehe die Extreme Kleinterrier oder Riesen. Es gibt
auch innerhalb dieser Grössenordnungen Unterschiede. Ruten- und
ohrenkupierte, gebäudedegenerierte Qualzuchten, hör- oder sehbehinderte
Hunde sind unnatürlich in ihrer Kommunikationsvielfalt eingeschränkt.
Kommen wir also, zum besseren Verständnis, wieder auf den
"normalen" Hund. Die Körpersprache
des Hundes ist immer noch sehr vielschichtig.
Am schlechtesten zu erkennen ist sie bei Hunden, deren Signalgeber zurückgebildet
wurden, wie zum Beispiel beim Bobtail, der sein Gesicht unter dem überlangen
Fell nicht zu erkennen gibt, dessen Rute kupiert ist. Die besten
Signalgeber sind Hunde mit deutlichen Körpermerkmalen wie beispielsweise
Schäferhunde oder Schlittenhunde. Ihre Stehohren - eben dem Wolf ähnlich
- und ein Fell samt Rute, die Veränderungen deutlich erkennen lassen,
beweisen, dass die wölfischen Signale ihren Sinn haben. Woran erkennt man
am deutlichsten einen dominanten (beherrschenden) Hund - meist Rüden? Am
erregten Dominanz-Scharren mit den Hinterläufen nach dem Markieren
(Urinieren) seines vermeintlichen Reviers, zusätzlich gesträubten
Nackenhaaren. Den ängstlichen an eingeklemmter Rute, unterwerfender Körperhaltung
und zurück- gelegten Ohren. Was meinen Sie: Wie
viele grundsätzliche Signale kann ein Hund allein mit seinen Körperteilen
aussenden? Es sind ca. 13 unterscheidbare Körpersignale mit 71 Kriterien.
Natürlich sind Kopf, Rute, Ohren, Fang die wichtigsten Zeichen. Aber dazu
zählen noch viele Feinheiten (Unterabteilungen), die Sie mit Übung
erkennen können. Psychologen nennen das Blickschulung. Daran erkennt man
nicht nur psychische, sondern auch gesundheitliche Befindlichkeiten, zu
der auch die entsprechende Pflege gehört. Und die momentane
Befindlichkeit. Geht es Ihnen nicht auch so: Vor Parties oder Prüfungen müssen
Sie immer auf die Toilette, oder Sie sollten es? Ihr Zustand: besch***en.
Oder: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Warum sollte es da einem Hund
anders ergehen? Gestresste und gehemmte Lebewesen sehen so aus. verklemmt,
bedrückt, alles andere als locker. Die körpersprachlich deutlichsten
Kriterien sind Rute, Lefzen, Gebäudehaltung, Ohrenstellung und
Blickrichtung. Weitere Differenzierungen sind artgemäße Grundhaltungen
der Ruten. Spitze, Schlittenhunde oder die meisten Herdenschutzhunde
tragen sie in „Normalstellung" stark nach oben gerollt, Schäferhunde
tragen sie gerade bis leicht abwärts fallend, Hetzhunde dagegen oft stärker
abwärts. Das Kupieren der Rute ist eine körpersprachliche Behinderung.
Die Hunde müssen ersatzweise mit dem ganzen Hinterteil „wedeln";
ein Erkennen der Launen ist für Hunde und Menschen schwieriger. Kurze
Haare tun sich naturgemäß schwer beim Sträuben, überlange Lefzen (zum
Beispiel bei Doggenartigen) können nicht die Zähne entblößen. Dafür
reicht nur die Haut auf dem Nasenrücken, um gekräuselt zu werden. Das
Wedeln mit der Rute ist nur ein Zeichen der Erregung. Das heisst nicht,
wie allgemein angenommen, dass er dabei grundsätzlich freundlich gestimmt
sein muss. Beim Beurteilen muss man also neben allgemeinen
Befindlichkeiten diese arttypischen Varianten einbeziehen, um von einer
artgemässen Grundhaltung ausgehen zu können. All diese Parameter bilden
ein Gesamturteil. Und auch das ist nur ein vorläufiges.
Signale
Du kannst die Signale
danach unterscheiden, mit welchen Sinnen sie Dein Hund verarbeitet. Die
Reihenfolge ist nicht zufällig, sondern hierarchisch, d.h. ein optisches
Signal nimmt Dein Hund viel besser wahr, als ein akkustisches Signal, (natürlich
spielt die Intenstät auch eine Rolle). Wenn Du Jagdhunde
(z.B. Beagles) beobachten kannst, siehst Du wie
"nasenorientiert" sich sich durch's Leben bewegen. Bei anderen
Rassen fällt das oft weniger auf, aber denoch ist der Geruchssinn der am
stärksten ausgeprägteste Sinn Deines Hundes. 2. Berührung - ist für
jeden Hund ein sehr starker Reiz, außerhalb des Rudelverbundes bedeutet
plötzliche Berührung meistens unmittelbare Bedrohung, ein natürlicher
Feind, ein Angriff. Das natürliche Verhalten auf Berührung ist
Erstarren, Angreifen oder Flucht.
3. Optische Signale -
nimmt Dein Hund mit den Augen wahr, z.B. ein Handzeichen, Deine Körperhaltung
und Mimik, Deine Bewegungen, Nachbars Katze vor dem Fenster, u.v.m.
Handzeichen sind sehr gut geeignet um eine Verknüpfung mit einem
Verhalten herzustellen. Bewegungen nimmt Dein Hund aber wesentlich besser
wahr als starre Signale. Optische Signale sind z.B. bei Prüfungen des VDH
außdrücklich in der Prüfungsordnung nicht gestattet, Brüllen dagegen
ist nicht verboten. Schon etwas merkwürdig, oder? 4. Akkustische Signale - nimmt der Hund mit dem Gehör wahr, z.B. Deine Stimme, fremdes
Hundegebell, Motorgeräusch von Herrchens Auto, Kühlschranktür...Oft hört
man auf den Hundeplätzen lautes Gebrüll, das ist vollkommen unnötig,
Dein Hund hört sehr gut. Und brüllen um einzuschüchtern (siehe auch Verhalten,
P+) hast Du nicht nötig. Versuche bei den Hörzeichen Worte zu finden,
die kurz sind und wenig Zischlaute beinhalten. Keine langen Sätze, von
denen verarbeitet Dein Hund nur wenige Silben, der Rest ist "Geräuschmüll".
Ganz gut sind auch fremdsprachige
Wörter geeignet, die kommen im täglichen Sprachgebrauch sonst nicht vor
und sind dadurch eindeutiger für Deinen Hund. Kraulen Eine bekannte Hundetrainerin hat einmal während einer
Fernsehaufzeichnung bei ihrem Studio Publikum Lachkrämpfe ausgelöst, als
sie erklärte, dass es äußerst wichtig sei, männliche Wesen zwischen
den Beinen zu kraulen. Gemeint hatte sie Kontaktaufnahme zu demonstrieren. In jeder einzelnen stecken
verborgene Faktoren, die äußerst interessant und aufschlussreich sind.
Wenn wir einem Rüden die Brust kraulen, so etwa zwischen dem Hals und den
Vorderbeinen, empfindet er das wirklich als sehr angenehm. Der Grund liegt
auf der Hand: Wenn er eine Hündin besteigt und penetriert, reibt sich
seine Brust in einem bestimmten Rhythmus am Rücken seiner Gefährtin.
Wenn wir ihn mit der Hand an der Brust kraulen, erinnert ihn das
automatisch an die entsprechenden angenehmen Empfindungen. Diese
Kontaktform ist vor allem dann zu empfehlen, wenn der Rüde ein besonderes
Lob verdient hat. Er empfindet auch großes Behagen, wenn man ihn hinter
den Ohren krault und krabbelt. Auch dieses Behagen hat seine Wurzeln im
Sexualbereich, denn das Ohr des Partners zu belecken, sich gegenseitig zu
beschnüffeln und zu beknabbern gehört zum Vorspiel der caniden Werbung.
Wenn man einen Hund, der zum Spielen aufgelegt ist, mit der Hand abwehrt,
hat das meistens die gegenteilige Wirkung. Er interpretiert diese Geste Und genau dieses Verhaltensmuster sehen sie in unserem Klaps.
Hunde mit Diese Frage ist schnell beantwortet: wie ein Welpe. Die schwächeren
Exemplare Individualdistanz Unter
Individualdistanz versteht man die Entfernung bzw. Nähe die ein Hund
duldet ohne darauf mit Aggression zu reagieren. Diese Individualdistanz
ist, wie der Name schon sagt, vom einzelnem Individuum, seinem Charakter
abhängig. Dass heißt, diese Verhaltensweise ist von Tier zu Tier
verschieden. Diese Distanz ist notwendig um das Rudelgefüge
aufrecht zu erhalten. Hierbei ist nicht nur die körperliche Nähe
Ausschlag gebend sondern auch der Sichtkontakt. Mit Hilfe des Fixierens
kann bereits die Individualdistanz aufrecht erhalten oder gestört werden.
Im Zirkus wird durch die Bewegung des Dompteurs und seines Stockes meist
mit dieser Individualdistanz gearbeitet. Einfach
ausgedrückt kann man sich vorstellen, dass um jeden Hund zwei verschieden
große gedachte Kreise gezogen sind, die jeweils eine Grenze darstellen.
Wird von einem anderem Sozialpartner, also auch uns, die äußere Grenze
überschritten, reagiert der Hund meist mit Meideverhalten, d.h. er zieht
sich weiter zurück. Da sich die Kreise mit dem Hund bewegen, kann er
jetzt noch mit Flucht reagieren. Ist ihm aber die Fluchtmöglichkeit
versperrt, muß er ab einem bestimmten Punkt mit Aggression reagieren.
Beachten wir die Reaktionen des Hundes nicht und überschreiten den
zweiten engeren Kreis ebenfalls, welcher meist in sehr enger körperlicher
Nähe des Hundes ist, kommt es zwangsläufig zum Angriff des Hundes, wobei
sein Körper sämtliche Symptome von Angst zeigt. Das oben gesagte trifft
natürlich in erster Linie auf unbekannte, "ungeliebte" oder
fremde sich nähernde Individuen zu. Dies kann uns mit jeder Maus
passieren, die in der Ecke sitzt und die wir einfangen wollen. Hört sich
sehr theoretisch an, ist aber bei jedem Spaziergang mit dem angeleintem
Hund zu beobachten. Abschließend
sei noch gesagt, dass Angst, insbesondere durch ständige soziale
Konflikte begründete Angst, oft zu Neurosen (psychische Schäden)
und/oder organischen Krankheiten (physische Schäden) führen kann.
(Übrigens auch beim Menschen z.B. Magengeschwür). Schwanzwedeln Oft hört man sowohl von Laien als auch von Experten, dass
Hunde, die mit dem |
| Immer der Nase nach | |
Hunde sind dem Menschen im Hinblick auf den Geruchssinn weit überlegen Haben Sie schon einmal die Nase eines Hundes berührt? Sie ist kalt und feucht. Das ist wichtig, da mit Hilfe der Feuchtigkeit Moleküle aus der Luft herausgelöst und mit der Riechmembran (Riechschleimhaut) im Inneren der Nase in Verbindung gebracht werden. Von dort werden die gewonnenen Informationen mittels Nervenimpulsen weiter zum Riechzentrum im Gehirn transportiert, wo die Geruchserkennung stattfindet. Im Vergleich zu dem des Menschen ist das Riechzentrum eines Hundes etwa vierzig mal größer. Das heißt, dem Hund steht ein bedeutend größerer Teil des Gehirns für die Geruchserkennung zur Verfügung als dem Menschen. Millionen von Sensorzellen Sowohl die Nase wie auch die Riechschleimhaut des Hundes sind dunkel pigmentiert. In Abhängigkeit von der Rasse haben sich Hundenasen in unterschiedlichsten Größen und Formen entwickelt. Die Riechmembrane enthalten dementsprechend unterschiedlich viele Sensorzellen. So besitzt ein Dackel um die 125 Millionen Sensorzellen, während ein Deutscher Schäferhund auf bis zu 220 Millionen kommt. Beim Menschen sind es dagegen nur etwa fünf Millionen. Gerüche schmecken Anders als Menschen besitzen Hunde im oberen Maulbereich ein Organ, mit dem sie Gerüche auch schmecken können. Das sogenannte Vomeronasalorgan wird vorwiegend für Düfte benutzt, die mit dem Sozial- und Sexualleben zu tun haben. Es transportiert die von ihm aufgenommenen Informationen direkt an das limbische System, den Teil des Gehirns, der für die emotionalen Reaktionen eines Hundes zuständig ist. Manchmal können Sie Ihren Vierbeiner dabei beobachten, wenn er dieses Organ benützt, z.B. wenn ein Duft ihn besonders erregt. Er klappert dann leicht mit den Zähnen, macht Geräusche und oft läuft ihm eine Speichelspur aus dem Maul, während er den Geruch gleichzeitig riecht und schmeckt. Aromatisches für Hunde Wie beim Menschen können Sie auch Hunde in ihrem Verhalten und Befinden mit Düften beeinflussen. Wenn Sie also Ihrem Liebling etwas Gutes tun wollen, können Sie das mittels eines für ihn angenehmen Duftes tun. Wichtig ist, dass er sich seinen Lieblingsgeruch selbst aussuchen kann. Wählen Sie möglichst Düfte, die bei uns in der Natur vorkommen, wie Fichten- oder Tannennadel, Lavendel oder Veilchen. Geben Sie wenige (!) Tropfen eines entsprechenden Duftöls aus der Apotheke auf ein Aromakissen und platzieren Sie dieses in einer Ecke der Wohnung. Ein anderes versehen Sie mit einem anderen Duft. Das Verhalten Ihres Hundes zeigt Ihnen, ob er den Geruch mag oder nicht. Seien Sie aber nicht enttäuscht, wenn sein bevorzugter Duft nicht dem Ihren entspricht. Schließlich haben Hunde so manche Vorlieben, die uns Menschen geradezu stinken. Quelle http://www.zooplus.de
Nachfolgend ein sehr interessanter Artikel aus "Unser Rassehund" Mai/Juni 2001 von Carl Cosack, der sich mit der Ausbildung und Erziehung von Molossern befasst, aber der für alle Hunde zutrifft. Über die Erziehung von Molossern. Schon die Überschrift suggeriert
einen Unterschied zwischen Molossern und anderen Hunden. Das ist nicht
richtig. Ein Hund ist in erster Linie ein Hund. In der kynologischen
Literatur und vor allem in den Köpfen spuken die unrealistischen
Vorstellungen herum. Dackel könne man nicht erziehen. Ein Jagdterrier sei
nur etwas für Jäger und die Jagd, ein Hund mit großem Jagdinstinkt ist
nicht kontrollierbar und eben auch Molosser könnten halt nicht wie andere
Hunde gehorchen und sich dem alltäglichen Leben anpassen. Das ist mit
Verlaub gesagt alles Blödsinn. Ein Jagdhund beispielsweise muss gerade
auch auf der Jagd lenkbar sein. Sicher hat dieser Hund ausgeprägte
Jagdinstinkte und dennoch agiert er ganz wesentlich in Interaktion mit
seinem Führer. Gerade das gemeinsame Handeln bringt Hund und Jäger den
Erfolg. Niemand käme auf
die Idee, den mangelnden Gehorsam eines Golden Retrievers mit dessen
Rassezugehörigkeit zu erklären. Warum dann etwa bei einem Bullmastiff?!
Aus meinem persönlichen Umfeld und von unserem Hundeplatz sind mir die
tollsten Geschichten aller möglichen Rassen bekannt. Da ist das Pärchen
mit seinem Königspudel, der sich regelmäßig auf Spaziergängen
verabschiedet und natürlich „immer wiederkommt“. Manchmal halt erst
nach zwei Stunden. Woran liegt das wohl?! - Gleiches Verhalten bei einem
Fila Brasileiro mit dessen Jagdleidenschaft zu entschuldigen, entbehrt des
Verständnis der Psyche seines Hundes. Der kleine Mischlingshund hört
ganz prima, zu hause ist er immer so lieb und auf dem Hundeplatz läuft er
exakt seine Wendungen. Er hetzt nur Enten und Schwäne und jagt überhaupt
sehr gerne, aber sonst ist er ganz toll erzogen. Da reißen zwei Bouviers sieben
Schafe, vollkommen außer Kontrolle geraten, wo doch der Bouvier eher ein
Hüte- als Jagdhund ist. Und nach Aussagen einer Züchterin der Inbegriff
des „Gute-Laune-Hundes“ nicht der Schafkiller. Die Reihe an Beispielen ließ sich
beliebig fortführen all diesen Hunden ist gemeinsam, daß niemand
versucht, ihr Fehlverhalten mit der Rasse zu erklären. Hunde sind in erster Linie
Hunde. Nicht Vertreter ihrer Rasse. Sicher gibt es für spezielle Aufgaben
Spezialisten. Aber das alltägliche Zusammenleben und sehr viele Fähigkeiten,
die darüber hinausgehen, kann fast jeder Hund erlernen. Es gibt
charakterliche Unterschiede zwischen den Rassen aber ebenso auch zwischen
einzelnen Individuen einer Rasse. Deshalb kommt es vorrangig darauf an,
den individuellen Zugang zum einzelnen Hund zu finden, nicht jedoch auf
das Fixieren auf die Rassezugehörigkeit. Eine erfolgreiche Erziehung
des Hundes basiert auf vier Säulen: 1.)
Eine enge Bindung zwischen Mensch und Hund. Ein Hund, dessen größtes
Glück autonom und nicht aus der Interaktion mit dem Menschen erwächst,
ist nur schwer zu motivieren und kann sich kaum auf den Hundeführer (HF)
konzentrieren. Ein Hund, der nicht mit seinem Menschen spielt ist schwer
verhaltensgestört oder fehlgeprägt und psychisch verkümmert. 2.)
Dominanz des Menschen.
Man sollte auch außerhalb des Platzes klar wissen, wo der Weg lang geht
und wer das Sagen hat, und dies gegenüber dem Hund auch durchsetzen. Der
HF muß vermeiden, seinen Hund zu nachsichtig gegenüber zu treten (kein laissez-faire).
3.)
Konsequenz. Der Hund braucht ein verläßliches Regelwerk, das möglichst
immer gilt. Durch Konsequenz wird die Dominanz gestärkt. Aus Bindung,
Konsequenz und Dominanz erwächst Vertrauen. Vertrauen ist die Basis für
jede Hundeausbildung. 4.)
Motivieren. Besteht eine enge Bindung Mensch-Hund, so will der Hund
von sich aus dem Menschen gefallen. Umgekehrt weiß der Mensch, wie er den
besten Zugang zu seinem Hund findet. Motivation ist wesentlich effektiver
als Druck und sollte gerade auch bei den Molossern die Ausbildung prägen. Generell bedarf es einer großen
Portion der Fähigkeit zur Selbstkritik, wenn die Arbeit mit dem Hund
erfolgreich verlaufen soll. Letztendlich muß man jedoch selbst
entscheiden, wie man dem eigenen Hund am besten gerecht wird. Dies gelingt
aber nur, wenn man bereit ist, die Fehler zunächst bei sich zu suchen.
Den Molossern mag vielleicht vereinzelt eine sehr stark ausgeprägte
Neigung zur Unterordnung fehlen, gerade deshalb ist es um so wichtiger, daß
der HF Fehler vermeidet. Ausreden wie „mein Hund ist Molosser, er kann
das nicht lernen“ dienen nur dem Selbstbetrug. Die Herausforderung an die
Intelligenz und das Einfühlungsvermögen des HF ist es, den individuellen
Zugang zu seinem Hund zu finden. Das Eingehen auf die individuellen
Neigungen, Stärken und Schwächen des einzelnen Hundes ist eine
wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Es gibt Menschen, die haben
noch nie ein Hundebuch gelesen und kommen mit ihrem Vierbeiner prima zu
recht. Dann gibt es andere, die kennen alle Methoden und Theorien kommen
aber auf keinen grünen Zweig. Früher hat man versucht, über die
Parforce-Dressur Hunde zu gewünschten Verhaltensweisen zu bringen. Selbst
diese im wesentlichen auf Gewalt beruhende Methode kam nicht ohne Lob und
positive Verstärkung aus. Ein Hund, der über Zwangsapport das Bringen
gelernt hat, wird niemals so freudig und zuverlässig bringen wie ein
Hund, bei dem im wesentlichen über den Beute- und Spieltrieb gearbeitet
wurde. Man sieht es einem Hund förmlich an, wie er ausgebildet wurde.
Wahre Spitzenleistungen bringt nur ein Hund, der mit Freude bei der Arbeit
ist. Es hat aber schon immer gute HF gegeben, also wird die reine
Parforce–Dressur von echten Könnern nie praktiziert worden sein.
Entscheidend ist das Verstehen seines Hundes, nicht das Verständnis für
seinen Hund. Gleichwertig durchaus aber nicht gleichberechtigt. Heute predigt man gewaltfreie Erziehung. Die Augen
werden verdreht, wenn nur die leiseste Andeutung zum Stachelhalsband
kommt, ja selbst der Leinenruck ist verpönt. Statt dessen wird eine Art
psychologischer Kriegsführung gegen den eigenen Hund empfohlen. Diese
Menschen bleiben, wenn sie nicht eiserne Konsequenz und Disziplin
beweisen, mit ihren Konzepten auf der Strecke. Es sind die gleichen
irrealen paradiesischen Wunschvorstellungen, die die Probleme mit dem
eigenen Hund erst evozieren. „Ach unser Bernhard ist so sensibel, der
wirft sich immer hin, wenn wir ihn an die Leine nehmen und wenn es draußen
regnet, dann können wir nicht in die Stadt fahren. Bernhard mag keinen
Regen und ins Auto steigt er auch nur bei Sonnenschein und nicht an einem
Montag. Da hat er sich nämlich mal vor zwei Jahren den Kopf gestoßen.“ M.E. sollte man die
Dogmen aus dem eigenen Kopf verbannen. Der eine Hund hat in seinem ganzen
Leben niemals ein Stachelhalsband benötigt, der andere zieht wie ein
Ochse beim Pflügen und bekommt halt eins verpaßt. Es bringt einen Hund
nicht um, wenn er nach Aufforderung das Sofa zu verlassen bei
Nichtbefolgen auch gewaltsam herunter geschmissen wird. Er wird aber ganz
sicher zu Problemen führen, derartiges Verhalten zu tolerieren. Natürlich
kann man den großen Zampano spielen und über Motivation und liebe Worte
versuchen, sein Ziel zu erreichen. In der Regel sind diese Bemühungen von
zweifelhaftem Erfolg gekrönt und verdeutlichen eklatant, daß hier etwas
in der Einstellung zum Hund nicht stimmt. Es ist genau diese Form der
Hundehaltung die das Kind mit dem Bad ausschüttet. Motivieren und eine
enge Bindung sind das A und O in der Hundeerziehung aber eben nur die eine
Hälfte. Nur für seinen Hund ein quasi lebendes Spielzeug zu sein, ein
lustiger stets verfügbarer Spielkamerad und Futterlieferant reicht nicht
aus. Ein Hund kann fast alle Rechte haben, wenn die Führungsrolle geklärt
ist. Er kann auch auf dem Sofa und im Bett schlafen. Man muß nicht
psychologische Tricks und fein ausgesponnene Mechanismen gegen seinen Hund
ins Feld führen. Man muß vor allem sich selbst darüber im klaren sein,
wer das sagen hat. Dadurch wird auch die Bindung Halter-Hund gestärkt,
und der Hund erhält einen viel größeren Freiraum, als ihm sonst geboten
werden könnte. Das Leben mit dem Hund wird für alle Beteiligten
einschließlich ihm selbst angenehmer. Man kann mit einem jagdlich geführten
Dt. Jagdterrier in einer Großstadt leben und mit zwei Molossern wie dem
Fila Brasileiro und dem Dogo Argentino, der zudem auch noch ein originärer
Jagdhund ist, querfeldein marschieren ohne daß sich die frei laufenden
Hunde verabschieden. Es gibt zu viel
schlecht oder gar nicht erzogener Hunde. Das Problem sind nicht wehrhafte
Hunde, sondern die unzulänglichen Führungsqualitäten und Kenntnisse
ihrer Halter. Ein Hund kann auch im Angriffsverhalten durch seinen HF
kontrolliert und gestoppt werden, wenn die Rangfolge für beide Seiten
geklärt ist. Entschuldigungsversuche
mit Verweis auf die Rassezugehörigkeit kommen einer Bankrotterklärung
derselben gleich. Prägung und Haltung von Hunden: Die in der vorangegangen
Ausgabe angeführten Betrachtungen zur Grundlage der Erziehung von
Molossern sollen hier durch die beiden genannten Aspekte auf eine breitere
Basis gestellt werden. Hunde sind, wenn sie zur Welt
kommen, ungeschliffene Rohdiamanten. Die ersten 16 –20 Lebenswochen sind
von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung. Ein Hund der
hier nicht umfangreich die Möglichkeit erhält ein positives
Vertrauensverhältnis aufzubauen ist nahe zu irreversibel umweltuntauglich
und damit im Extremfall auch nicht lebensfähig. Hier den gesamten Aspekt
der Prägung, der Korrelation von Instinktgebundenheit und Umweltoffenheit
und der einzelnen Prägungs-/ Entwicklungsphasen anzuführen erspare ich
mir. Möchte aber allen Interessenten und jedem Züchter sowie
potentiellen Welpenkäufer dringend die Bücher Heinz Weidt, Der Hund mit
dem wir leben: Verhalten und Wesen, Hamburg/ Berlin 1993 & Heinz
Weidt, Dina Berlowitz, Das Wesen des Hundes, Augsburg1998 empfehlen. Außerdem möchte ich diese
Gelegenheit ergreifen einmal den Anstoß zugeben, ob der CfM nicht eine
Art Prägungskatalog erstellt, den jeder Wurf durchlaufen sollte und der
gewisse Mindeststandards über die bisherige Zuchtordnung hinaus für die
Aufzucht von Welpen festlegt. Sind auch die ersten zwanzig Wochen
entscheidend für die Entwicklung des Hundes, so ist dennoch das Lernen
und damit die Veränderung der Verhaltensweisen des Hundes niemals vorbei.
Die meisten Welpen werden zwischen der 8 und 12 Woche (Weidt empfiehlt die
10 Woche) abgegeben. Dies ist ein sensible Phase und der neue Hundehalter
sollte sich seiner Verantwortung gegenüber seinem Hund aber auch seiner
Umwelt deutlich bewußt werden. Sicherste Garantie einen umfassend
geprägten und umweltoffenen Hund zu erhalten ist es ihn überall am täglichen
Leben teilhaben zu lassen. Der Alltag bringt so viele unbekannte
Situationen mit sich, daß es nur sehr schwer möglich sein dürfte den
Hund auch nur annähernd so umfassend gezielt ähnlichen Situationen
auszusetzen, wenn die Teilnahme am Alltagsleben verwehrt bleibt. Ergo: der
Hund gehört zu seinen Menschen und sollte möglichst überall dabei sein. Daraus folgt auch,
daß sich eine reine Zwingerhaltung verbietet. Verbot der Zwingerhaltung wäre
auch ein wirklicher sinnvoller Ansatz die Gefahr durch gefährliche Hunde
zu minimieren. Zeitweises Wegsperren in einer Zwinger ist tolerabel und
bietet sogar gewisse Vorteile. Ein Hund ist in einem großen Zwinger mit
Aussenbereich sicher besser untergebracht als in einer dunkeln Wohnung.
Gerade Molosser lieben es zu ruhen und ihre Umwelt zu beobachten. Dafür
bietet ein entsprechender Zwinger gute Möglichkeiten. Ein Zwinger kann
auch bei großer Hektik, Gesellschaften etc. den Hund vor Reizüberflutung
schützen. Aber hier ist schon wieder Vorsicht geboten, denn prinzipiell
sollte der Hund so gut sozialisiert sein, daß es eines Wegsperren nicht
bedarf. Und jede Reizminimierung stellt auch eine vertane Chance dar, den
Hund umwelttauglich zu erziehen. Das echte Zusammenleben mit dem
Hund ist auch der einzige Weg für gegenseitiges Vertrauen. Wie soll ein
Hund komplexe und unbekannte Situationen differenzieren, wenn er sie nicht
kennt? Zeigen sie sich ihrem Hund mit einem Handtuch um den Kopf, hinken
sie lassen sie sich zu Boden fallen, zeigen sie sich ihm unbekleidet,
streiten sie sich vor ihrem Hund oder simulieren sie einen Streit.
Klappern sie extra laut mit Töpfen und Pfannen usw. Alle die hier
beispielhaft angeführten Situationen und viele mehr, ergeben sich im
engen Zusammenleben mit dem Hund fast automatisch. Eines noch zur
Zwingerhaltung, Nachts gehört der Hund ins Haus. Zu den Märchen der Kynologie
gehören auch zahlreiche gutgemeinte Ratschläge: „Legen sie sich
niemals unter ihren Hund“ –falsch! Legen Sie sich unter ihn, spielen
Sie mit ihm auf allen Vieren, werden Sie selbst zum Hund. Das Band
zwischen Halter und Hund sollte so stark sein, das es nicht an der Körperhaltung
des Menschen hängt. Was passiert denn, wenn man einmal stürzt und der
Hund kann diese Situation nicht deuten oder sieht sich in eine Lage
versetzt, die er zu seinen Gunsten ausnutzt. Auch die Mutterhündin, der
erziehende Rüde oder irgendein dominanter Hund legen sich im Spiel auf
den Rücken und bieten ihre Kehle da. Warum soll das für den Menschen
nicht möglich sein, wenn die Beziehung Mensch-Hund intakt ist. Kämpfen
Sie mit ihrem Hund und lassen sie ihren Hund auch gewinnen. Ziehen sie ihn
hoch im Spiel, versetzten Sie ihn in eine Reizlage und beenden Sie das
Spiel wieder. Testen Sie ihren Hund aus. So erwächst vertrauen zwischen
Hund und Halter. Nicht die peinliche Vermeidung allermöglichen
Situationen kann der richtige Weg sein sondern ihre Beherrschung. Kann der
Halter seinen Hund aus aufgeputschter Stimmung auch wieder zur Ruhe
bringen kann er ihn auch in schwierigen Situationen beherrschen.
Kontrolliertes Risiko ist das Schlagwort für die Prägung des Hundes.
Nicht die Vermeidung die letztendlich sowie so nicht möglich ist aller
Konflikte. Ein weiteres Beispiel sind
Apportierspiele. Einige Halter vertreten die Auffassung, ein Hund dürfe
das Apportieren nicht erlernen; denn er verfolge ein Objekt (weggeworfener
Stock), gewöhne sich so das Hetzen an und gleichzeitig durch Zupacken und
Schütteln, das Jagen und Töten. Dabei bietet gerade das Apportierspiel
große Möglichkeiten für die Hundeerziehung. Der Hund kann viele Triebe
befriedigen, das Spiel funktioniert nur in Interaktion mit dem Halter.
Apportiert der Hund nicht ist das Spiel zu Ende. Behält der Hund das
Bringsel ist das Spiel auch zu Ende. Er lernt also spielerisch sich dem
Halter unterzuordnen und seine „Beute“ abzugeben. Der Halter hat die
zusätzliche Chance, Spannungskurven aufzubauen, zu halten und zu lösen.
Der Hund abgelegt oder sitzend sieht das Bringsel fortfliegen, muß aber
dennoch warten, bis er los geschickt wird. Dies allein stellt schon eine
Erlösung für den Hund da und damit Belohnung. Der Gehorsam wird
spielerisch ausgebaut, der Hund sicherer. Kann der Hund das Bringsel nicht
mehr sehen, muß er seine Nase einsetzen um es zu finden. Das verlangt vom
Hund hohe Konzentration und lastet ihn weiter aus. Ein Hund der das Apportierspiel
sicher beherrscht ist unter Garantie ein besser erzogener Begleiter als
sein aus falschem Verständnis um diese Möglichkeit des Lernens betrogene
Artgenosse. Einen weiteren Punkt zur Haltung
und Prägung von Hunden möchte ich hier noch ansprechen. Das Halten von mehren Hunden. M.E.
sollte sowohl die Zwinger wie auch die Einzelhundhaltung unterbleiben.
Hunde sind trotz aller Bindung an den Menschen auch auf innerartliche
Kontakte angewiesen. Auch sogar bei Rudelhaltung ist der Kontakt zu
weiteren Artgenossen wünschenswert. In den meisten Fällen wird dies aber
nicht ausreichen. Mehrhundhaltung verbessert das Sozialverhalten des
einzelnen Hundes. Mehrhundhaltung eröffnet auch dem Halter die Chance,
viel über Hunde allein durch Beobachten zu lernen. Es müssen ja nicht
gleich zwei Molosser sein. Auch der kleine Jack-Russelterrier ist eine
prima Ergänzung zum großen Hund. Positiver Nebeneffekt ist das andere
Hundehalter, die evtl. mit Ressentiments unseren Hundehaltern
entgegentreten, diese schneller abbauen, wenn sie sehen, wie liebevoll der
Molosser mit dem Kleinhund umgeht. Wichtiger aber ist das ein Hundeleben
mit einem Artgenossen besser wird. In diesem Sinne ist es auch höchst
fraglich, ob die zumeist auch noch höhere Besteuerung des Zweithundes
nicht tierschutzrelevantes Gebaren beinhaltet. Die Verantwortung für das Leben
und die Entwicklung unserer Hunde liegt in unseren Händen. Carl Cosack
"Belohnung"
und "Strafe" in der Hundeausbildung und Hundetherapie Tierschutzbeauftragter
des Deutschen Hundesportverbandes 1. Allgemeines über Belohnung und Strafe 1.1 Belohnung und Strafe beim Menschen im Alltag Im Alltag belohnen wir ein Kind, wenn es ein
erwünschtes, ein richtiges Verhalten zeigt. Einem Kellner, der uns höflich
und zuvorkommend behandelt hat, geben wir ein großzügiges Trinkgeld. In
einem allgemeineren Sinn ist auch jedes Lob, ja jede schlichte Bestätigung
einer Handlung wie zum Beispiel ein freundliches "Danke" oder
"Ja" eine "Belohnung". Belohnung, Lob und freundliche
Bestätigung heben die Stimmung des Betroffenen. Er weiß darüber hinaus,
was er in einer ähnlichen Situation tun kann, um wieder Belohnung etc. zu
erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, daß er sein Verhalten wiederholt,
wird hierdurch erhöht. Im Alltag strafen wir ein Kind, wenn es ein
unerwünschtes Verhalten zeigt, in der Hoffnung, daß es dies dadurch
nicht wieder tut. Etwas schwächer aber mit der gleichen Absicht
ausgesprochen ist das "Nein". Unter Erwachsenen muß man neben
dem Einsatz körperlicher Gewalt auch das Einschüchtern etwa durch Gebrüll
oder Drohungen zu den Methoden zählen, die Wiederholung des unerwünschten
Verhaltens ausschließen sollen. Belohnung und Strafe, Bestätigung und Mißbilligung
sind aber in ihrer Wirkung völlig unterschiedlich. Eine Belohnung bzw.
Bestätigung hebt die Stimmung. Darüber hinaus weiß der Handelnde nach
der Bestätigung genau, was er bei ähnlichen Situationen wieder machen
kann, er weiß, wie er sich verhalten kann. Bei Strafe oder Mißbilligung
dagegen weiß er zwar, daß die mißbilligte Handlung falsch war, er
weiß aber nicht was er statt dessen tun soll. Er wird unsicher. 1.2 "Erfolg" als Belohnung Eine besondere Art von "Belohnung", die gar
nicht von einem anderen gegeben werden muß, ist der Erfolg. Wollen der
Mensch oder ein Säugetier ein Ziel erreichen, zum Beispiel Nahrung
bekommen, so können sie dies oft auf verschiedene Weise versuchen. Mit
irgendeiner Handlungsweise werden sie Erfolg haben. Diese Handlungsweise
werden sie dann in Zukunft immer wieder anwenden, selbst wenn sie
gelegentlich dabei keinen Erfolg haben. Der Erfolg selbst hat hier wie
eine Belohnung gewirkt. Er hat die Wahrscheinlichkeit, daß das
Verhalten in ähnlicher Situation wieder auftritt, erhöht. Beispiel: durch Zerren an der Leine ist es dem Hund gelungen,
an eine Stelle zu kommen, die er unbedingt beschnuppern wollte. Dieser
Erfolg läßt ihn auch in Zukunft kräftig zerren – und tatsächlich hat
er auch immer wieder mal Erfolg. Bleibt jedoch bei einer Handlungsweise der Erfolg stets
aus, so kommt sie mit der Zeit nicht mehr vor. Permanenter Mißerfolg führt
zur Unterlassung eines Verhaltens. 1.3 Gefährdung als "Strafe" Wir können uns durch eine Handlung auch ganz übel
in Gefahr bringen. Wird sie uns bewußt oder erleben wir dabei Angst oder
verletzen uns sogar, so werden wir die Handlung in Zukunft unterlassen.
Auch dies gilt ähnlich bei Tieren. Wie der Erfolg als
"Belohnung" wirkt, wirkt die Gefährdung wie eine
"Strafe". Sie führt in der Regel zum Unterlassen des
Verhaltens. Während der Erfolg allerdings ein Wohlgefühl erzeugt, ist
die Gefährdung mit Angst und Fluchtverhalten verbunden. Darauf komme ich
später noch einmal zurück. 1.4 "Belohnung" und "Strafe" beim
Hund Dem Hund ist die Fähigkeit angeboren, ein hohes
Sozialverhalten auszubilden (im Gegensatz etwa zu Tigern. Auch bei Katzen
ist diese Fähigkeit nur schwach vorhanden.). Bei gutem Umgang mit ihm
akzeptiert er uns als sein "Leittier‘". Daher besteht für uns
die Möglichkeit, ihn auf verschiedenste Art zu "belohnen", aber
auch zu "strafen". Dabei müssen wir allerdings vor dem Einsatz von
"Strafe" unbedingt folgendes bedenken: Durch "Strafe" wird der Hund wie der Mensch
unsicher. Bestenfalls lernt er, welches Verhalten unerwünscht ist, nicht
jedoch, welches statt dessen erwünscht ist. Außerdem erlebt er
"Strafe" immer als Bedrohung oder Gefährdung seines Lebens, er
bekommt Angst. Im Zusammenleben von Hunden sind negative
Interaktionen, d. h. "Strafen" nur 5 bis 7% aller Interaktionen
(nach A. Hallgren) und davon ist wieder nur ein Bruchteil ein Abschnappen.
Der Rest ist Knurren. Wir sollten also "Strafen" immer erst dann
einsetzen, wenn wir alle anderen Möglichkeiten, unerwünschte
Verhaltensweisen zu unterbinden, wirklich ausgeschöpft haben. 2. Lernen 2.1 Einführung Unter Lernen wollen wir jede Änderung des Verhaltens
verstehen. Wir nehmen dabei an, daß die Verhaltensänderung eine Antwort
auf eine bestimmte Umweltsituation ist, die dem Tier ein
"angenehmeres" Leben beschert. Verminderung von Angst (z. B.
durch Flucht) gehört hier dazu. Tiere (einschließlich Menschen) können
auf ganz verschiedene Weisen lernen. "Belohnung" und
"Strafe" spielen jedoch nur bei einer ganz bestimmten Form des
Lernens eine Rolle, beim Lernen durch Verstärkung (instrumentelles
Lernen). 2.2 Lernen durch positive Verstärkung
("Belohnen") Beim Lernen durch Belohnung spielen vier Dinge eine
entscheidende Rolle:
Beispiel: Sich setzen Der Hund ist hungrig. Wir zeigen ihm ein Leckerli über
seinem Kopf. Der Hund springt hoch, um es zu bekommen. Das ignorieren wir
(kein "Nein"!). Der Hund probiert alles mögliche. Alles
ignorieren wir. Irgendwann wird er sich auch setzen. Dies Verhalten wird
sofort durch Gabe des Leckerlis belohnt. Der Hund hat erlebt: "Sich
setzen führt zum Erfolg". Wiederholen wir das Experiment mit der
gleichen Leckerlidarbietung über seinem Kopf ein paar Mal, wird er sich
in Zukunft wahrscheinlich sofort bei dessen Anblick setzen. Ersatzauslöser: Das wichtigste Gesetz des Lernens durch
Belohnung ist nun, daß der Auslösereiz umgelernt werden kann. Hat der
Hund ein Verhalten auf einen Auslösereiz gelernt (zum Beispiel das
Hinsetzen beim Zeigen des Leckerlis), wiederholen wir das Experiment ein
paar Mal, indem wir gleichzeitig mit dem Auslösereiz einen
neuen Reiz geben, im Beispiel oben etwa das Hörzeichen
"Sitz". Das Erstaunliche ist, daß der Hund nach mehrfacher
Wiederholung dieses Experiments auch dann schon die Handlung zeigt, wenn
wir nur den neuen Reiz bieten. Er ist zum Ersatzauslöser geworden. Wir
brauchen dazu Zeit und Geduld – aber nie "Strafe". Das wäre völlig
unsinnig und würde dazu führen, daß der Hund den ganzen Lernvorgang
meidet (verweigert). Wir fassen noch einmal zusammen: durch mehrfache
Wiederholung der Übung, bei der gleichzeitig mit dem Auslösen der
Ersatzreiz gegeben wird, erreicht man, daß der Ersatzreiz allein bereits
das Verhalten auslöst. Beispiele:
Die Art der Belohnung hängt von der Motivationslage
des Hundes ab. Wir können aus allen möglichen Bereichen Belohnungen
bieten. Die bei unserem Hund erfolgreichsten benutzen wir dann weiter.
Typische Beispiele sind Leckerli (Nahrungsverhalten), Streicheln
(Sozialverhalten), Beutespiel (Jagdverhalten), Loben (Sozialverhalten),
erlaubtes Beschnüffeln eines Grasbüschels (Erkundungsverhalten), usw. Wichtig ist, daß wir dem Hund auch eine Ersatzbelohnung
beibringen können, zum Beispiel ein bestimmtes Geräusch (Schnalzen mit
der Zunge). Hierauf beruht das Klicker-Training, mit dem ursprünglich
Delphine trainiert wurden. Ganz ähnlich wirkt das Wort "brav" oder
"fein". Freundliche Zuwendung des Besitzers zu seinem Hund wie
das freundliche Aussprechen von "fein" etwa ist sowieso schon
eine Form der Belohnung, für die der Hund fast immer empfänglich ist.
Man kann dies nun noch steigern, indem man eine Zeit lang gleichzeitig
"fein" sagt und ein Leckerli gibt oder den Hund kurz streichelt
oder krault. Damit wird die freundliche Zuwendung, die im Wort
"fein" schon liegt, noch einmal verstärkt. Das Wort
"fein" wird damit eine in vielen Fällen ausreichende Belohnung.
In sehr unregelmäßigen Abständen sollte es mit Leckerli oder Streicheln
gleichzeitig wieder als Belohnung gegeben werden. 3. Lern- und Kann-Phase und die Häufigkeit von
Belohnung Im Abschnitt 2 haben wir behandelt, wie wir dem Hund
ein gewünschtes Verhalten beibringen können. Solange der Hund das
Verhalten nicht sicher beherrscht, müssen wir jedesmal belohnen,
wenn er es richtig zeigt. Diese Phase ist die Lernphase. Beherrscht der Hund das Verhalten sicher auf den
Ersatzreiz hin (Hörzeichen oder Sichtzeichen), befindet er sich also in
der Kann-Phase, belohnen wir unregelmäßig. Wenn wir dabei eine
lange Zeit nicht belohnt haben, belohnen wir plötzlich besonders schön
("Jackpot-Leckerli", also ein besonders schmackhaftes Leckerli,
Spielen mit Lieblingsspielzeug oder ausführliches Schmusen). Keine andere
Art der Belohnung in der Kann-Phase ist so gut wie die beschriebene. Insbesondere
ist die weit verbreitete Ansicht, es brauche gar keine Belohnung, der
Hund muß auch so folgen, absoluter Unsinn. Im Gegenteil,
konsequente Unterlassung von Belohnung führt zum Verschwinden des
Verhaltens, was wir uns beim Abgewöhnen unerwünschten Verhaltens zu
Nutze machen können (s.u.). 4. Lernen komplizierter Aufgaben Zur guten Hundeausbildung gehören nicht nur
"Sitz", "Platz" und "Komm", sondern auch längeres
Fußgehen und Apportieren mehrerer Gegenstände, Agility, Fährten und
vieles mehr. Solche Aufgaben fordern den Hund und führen zu einem immer
engeren Verhältnis zwischen Mensch und Hund. Der Hund hat damit ein
erlebnisreiches, erfülltes Leben. Ein Lernprinzip dabei ist, die komplizierte Aufgabe
in lauter kleine Teilaufgaben zu zerlegen. Diese Teilaufgaben werden nach
dem Prinzip des Lernens durch Belohnen zunächst jede für sich geübt,
bis sie sicher gekonnt werden. Dann fügt man sie nach und nach zusammen,
anfangs indem man jede richtig gelöste Teilaufgabe belohnt, dann belohnt
man nur noch, wenn zwei aufeinander folgende Aufgaben von allein
hintereinander ausgeführt werden usw. Wie dies im Einzelnen zu geschehen
hat, hängt vom einzelnen Hund und von der Aufgabe ab. Beispiel: Apportieren mehrerer Gegenstände: Wir bringen dem
Hund erst bei, seinen Zottel zu bringen (sagen dabei "Bring
Zottel"), danach seinen Ball ("Bring Ball"). Die
zusammengesetzte Übung ist Bringen von Zottel mit Hörzeichen
"Zottel" und Ball mit Hörzeichen "Ball"
hintereinander, wenn beide Gegenstände ausgelegt sind. Auch hier gilt: In der Lernphase immer das
richtige Verhalten belohnen, in der Kann-Phase unregelmäßig. 5. Andere Formen des Lernens Wir haben gesehen, daß das Lernen mit der Belohnung
des gewünschten Verhaltens die Basis einer guten Hundeausbildung ist. Wir
brauchen aber nicht alles auf diese Weise beizubringen. Der Hund lernt
u.a. auch auf folgende Weisen: Lernen durch Verallgemeinerung:
Der Hund kann gut gelernte Verhaltensweisen auf andere Situationen übertragen.
Bringen wir ihm z.B. bei, weder beim Besuch des Postboten noch des
Milchmannes zu bellen, wird er höchstwahrscheinlich auch beim Besuch des
Hausarztes nicht bellen. Oder hat der Hund gelernt, durch einen Bach zu
gehen, wird er höchstwahrscheinlich auch durch einen Fluß schwimmen. Lernen durch Gewohnheit:
Führen wir in sich wiederholenden Situationen mit dem Hund immer die
gleiche Aktion durch, so wird er sie auch von sich aus ohne jedes Hör-
oder Sichtzeichen durchführen. Beispiele:
Lernen durch Nachahmung:
Ein junger Schäferhund lernt vom älteren durch Nachahmung das Bewachen
der Herde. Ein junger Hund, der in einer Familie zu einem älteren
genommen wird, lernt dessen Unarten durch Nachahmung (jagen, Mäusebuddeln). 6. Strafe Wir setzen Strafe ein, um ein unerwünschtes
Verhalten möglichst ein für alle Mal zu unterbinden. Strafe ist leider
die am häufigsten falsch angewendete Methode in der Hundeerziehung. Das
erklärt sich dadurch, daß sie den Besitzer so sehr befriedigt, nicht
aber durch ihrem tatsächlichen Erfolg. Beispiel: Der Besitzer ist wütend oder ungehalten, wenn der
Hund in seiner Abwesenheit auf dem Teppich uriniert oder einen Vorhang
heruntergerissen hat und schnauzt den Hund bei seiner Rückkehr
entsprechend an. Der Hund zeigt Unterwerfungsverhalten oder verkriecht
sich in eine Ecke und der Besitzer ist aus 2 Gründen zufrieden: erstens
hat er seine Wut herausgelassen und zweitens zeigt der Hund ja auch sein
"schlechtes Gewissen". Dabei zeigt der Hund nur Unsicherheit
bzw. Fluchtverhalten. Manchmal zeigt auch Strafe einen Erfolg. Aber man muß
immer folgende möglichen Nebenwirkungen beachten:
Beispiel:
Der Hund jagt plötzlich.
Kein Rufen hilft. Nach 5 Minuten kommt der Hund freudig zurück und wird fürs
Jagen hart bestraft (Leinenschläge). Der Hund lernt, Kommen ist schlecht,
und wird in Zukunft Abstand halten.
Beispiel:
Ein Besitzer
beobachtet, daß sein Hund auf dem Teppich uriniert, packt ihn, stößt
seine Schnauze in die Pfütze und bringt ihn anschließend in den Garten.
Der Hund macht dort nichts. Wieder im Haus, geht der Hund das nächste
Mal, als er muß, in ein Zimmer, in dem Herrchen gerade nicht ist und
macht dort sein Geschäft. Er hat durch die Strafe nicht gelernt, im
Haus ist urinieren verboten, sondern: in Anwesenheit des Besitzers
ist urinieren verboten.
Natürlich kann Strafe auch Erfolg haben. Ein gut
dosiertes "Nein" oder "Aus" hilft insbesondere bei
unerwünschten Handlungen, für die der Hund noch nicht voll motiviert
ist, z. B. wenn er gerade weglaufen will, aber noch nicht richtig
gestartet ist. "Strafen", also negative Reize, wirken zunächst
einmal durch ihre Schreckwirkung. Diese erlebt der Hund als Gefährdung
(s. unter 1.3) und veranlaßt ihn, sein Verhalten zu unterbrechen.
Der Hund ist jetzt verwirrt und unsicher. Deshalb sollte sofort nach einem
erfolgreichen "Nein" oder einer erfolgreichen anderen Strafe
eine Aufforderung zu einem erwünschten Verhalten kommen, das der Hund
sicher kann und für das er oft belohnt wurde, also z.B. "Sitz"
oder "Platz". Dann muß für diese Handlung belohnt werden. 7. Hundeerziehung und Hundetherapie Die Hundeerziehung besteht nicht nur in der
Ausbildung, sondern auch darin, unerwünschte Verhaltensweisen
dauerhaft zu unterbinden. Da der Erfolg von Strafe zweifelhaft ist und
Strafe ohnehin mit anschließendem positivem Verhalten gekoppelt sein
sollte, muß man zum Abgewöhnen von solchem Verhalten andere Schritte
unternehmen. Im allgemeinen setzt sich unerwünschtes Verhalten
aus drei Teilen zusammen: einem angeborenen, einem in der sensiblen Phase
(5. Bis 12. Woche) gelernten und einem später gelernten. Zum Beispiel ist
ein starker Jagdtrieb zu einem großen Teil angeboren, zum Teil aber auch
gelernt, evtl. durch Erfolg (s. Abschnitt 1.2), zum Beispiel wenn der Hund
tatsächlich mal einen Hasen erwischt hat. Den angeborenen Teil kann man nur "zügeln",
nie vollständig abtrainieren. Das Abtrainieren des früh gelernten
Anteils des unerwünschten Verhaltens ist langwierig, das Abtrainieren des
spät gelernten Teils jedoch relativ einfach. Wir geben zwei einfachere Beispiele für unerwünschtes
Verhalten. 1. Betteln am Tisch:
Dies Verhalten ist mit ziemlicher Sicherheit gelernt und zwar
wahrscheinlich in der sensiblen Phase, als der süße kleine Welpe in der
9. Woche gerade ins Haus kam. Es ist ein Lernen durch Erfolg und zwar wie
viele Unarten eine Hundes ein vom Besitzer nicht gewolltes Lernen.
Was macht man nun üblicherweise?
Hier hilft am
schnellsten absolutes Fütterungsverbot und Ignorieren des Hundes am
Tisch. Nicht einmal zu ihm hinschauen sollte man (Verlernen durch "Misserfolg"). 2. Jogger jagen: Ist ein starker Jagdtrieb angeboren,
so hilft in erster Linie, die Begegnung mit Joggern zu vermeiden. Darüber
hinaus bieten sich in diesen wie ähnlichen Fällen die folgenden zwei
Schritte an:
Diese beiden Schritte: Desensibilisierung und
Ersatzhandlung sind auch die Basis der Behandlung einer ganzen Reihe
anderer unerwünschter Verhaltensweisen wie verschiedener Formen der
Aggression (Beute-Aggression, Angst-induzierte Aggression). Zusammenfassung Ich hoffe, ich konnte in diesem Aufsatz vier Dinge
zeigen: ·
Belohnung
ist die Basis sowohl der Hundeausbildung als auch von Teilen der
Hundetherapie ·
Eine
erlernte Unart kann man am schnellsten abgewöhnen, indem
man herausbekommt, welches die Belohnung (Erfolg) war, durch die die Unart
verstärkt wurde, und diese Belohnung konsequent verhindert. ·
Tiefergehende,
das Zusammenleben erschwerende Verhaltensweisen bedürfen vor der Therapie
einer eingehenden Analyse. Aber auch bei der Therapie spielt Lernen durch
Belohnung eine entscheidende Rolle. ·
"Strafe"
hat dort ihren Platz, wo ein Gefahr bringendes Verhalten sofort
unterbrochen werden muß. Für das dauerhafte Auslöschen unerwünschter
Verhaltensweisen ist "Strafe" in fast allen Fällen der falsche
Weg. Literatur:
Valery O'Farrell: Manual of Canine Behaviour, Oxford 2nd
ed. 1992
|