
Wolfs-Info
Allgemeine
Informationen über den Wolf
Quelle: Wolfsgirl´s Homepage: http://members.tripod.com/~hitzenhammer/index.html

Kaum ein anderes Tier hat über Jahrtausende die Fantasie der Menschen so
angeregt wie der Wolf. Meistens war er in Märchen und Fabeln der Inbegriff des
Bösen. Heute werden Wölfe häufig als besonders edle Tiere verklärt. Woher
kommt dieses besondere Verhältnis der Menschen zum Wolf? Da Wölfe an der
Spitze der Nahrungskette stehen, kreuzten sich die Wege der Menschen und der Wölfe
seit jeher. Als die Menschen noch als Jäger und Sammler lebten, gehörten Wölfe
zu den Hauptnahrungskonkurrenten. Als sie sesshaft wurden und begannen, Schafe
und Ziegen zu züchten, waren es wiederum Wölfe, die den Hirten das Leben
schwer machten; das Vieh war eine leichte Beute, da es das natürliche
Fluchtverhalten abgelegt hatte. Aus der Sicht der Wölfe war es biologisch
absolut sinnvoll, die Nähe der Herden und damit der Menschen zu suchen. Dabei
wurden die Wölfe den Menschen selbst aber kaum jemals gefährlich. Es gibt so
gut wie keine glaubhaft überlieferten Angriffe von frei lebenden Wölfen auf
Menschen.
Vor etwa 10.000 Jahren, begann aber auch eine Entwicklung, die unmittelbar auf
die neue, sesshafte Lebensweise der Menschen mit festen Siedlungen und
Viehhaltung zurückzuführen ist: Die Domestizierung des Wolfes, der heute als
Stammform aller Haushunderassen gilt. Möglicherweise begann sie so: Manche Wölfe
waren weniger scheu als andere und anstatt die Nähe der Viehherden zu suchen,
suchten sie direkt die Siedlungen auf, um sich dort von Abfällen zu ernähren,
ein Verhalten, das Wölfe auch heute noch in manchen Gegenden zeigen. Solche Wölfe
wurden mit den Menschen immer vertrauter und diese lernten, sich das
Rudelverhalten der Wölfe, eine Bedingung für den engen Anschluss des Hundes an
den Menschen, nutzbar zu machen. Der Wolf bzw. der Haushund wurde damit zum ältesten
Haustier nach Schaf und Ziege.
Der Wolf hatte ursprünglich ein riesiges Verbreitungsgebiet. Allerdings ist er
heute aus vielen Gegenden, in denen er zu finden war, aufgrund der Verfolgung
durch den Menschen verschwunden. Früher war er holarktisch, das heißt auf der
gesamten Nordhalbkugel, verbreitet. Durch diese weite Verbreitung in den
unterschiedlichsten Klima- und Vegetationszonen entstand im Laufe der Evolution
des Wolfes eine große Variabilität; so unterscheidet man über 40 Unterarten.
Wolf ist bei weitem nicht gleich Wolf: Während zum Beispiel die arabische
Unterart nur 15 kg wiegt, werden nordamerikanische Wölfe bis zu 80 kg schwer.
Entsprechend groß ist auch die Variabilität der Wölfe in ihrem Verhalten und
ihrer sozialen Organisation. Wölfe leben normalerweise in kleinen Rudeln von fünf
bis acht Tieren. Die Rudelgröße ist aber von verschiedenen Faktoren,
insbesondere der Art des Nahrungserwerbs abhängig. So treten in Gegenden, in
denen Wölfe die Nähe menschlicher Siedlungen suchen, um sich von Abfällen zu
ernähren, die Tiere einzeln oder in kleinen Gruppen auf. Auf diese Weise sind
sie unauffälliger und können den Menschen leichter aus dem Wege gehen. In von
der Zivilisation unberührten Landschaften, wo sich die Wölfe auf die Jagd auf
große Beutetiere spezialisiert haben, sind die Rudel größer und können
maximal 20 Tiere umfassen. Hier ist eine gut koordinierte Kooperation zwischen
den Mitgliedern eines Rudels erforderlich, um an Nahrung zu gelangen. Im
Gegensatz zu Großkatzen, die schon aufgrund ihrer Anatomie die perfekten Jäger
sind und auch allein zu einem Jagderfolg kommen, sind Wölfe auf Zusammenarbeit
angewiesen. In solchen jagenden Rudeln bleiben die Jungtiere auch wesentlich länger
als in Gruppen, die sich vor allem von Abfällen ernähren; sie müssen schließlich
erst lernen, wie man erfolgreich jagt.
Das Gemeinschaftsleben der Wölfe ist durch eine strenge geschlechtsspezifische
Rangordnung gekennzeichnet. Sowohl die Rüden als auch die Wölfinnen haben
jeweils ihre eigene Rangordnung. An der Spitze stehen jeweils die so genannten
Alpha-Tiere, der Alpha-Wolf und die Alpha-Wölfin. In der Regel kommen nur diese
beiden Tiere zur Fortpflanzung. Die Welpen werden aber auch von den übrigen
Rudelmitgliedern versorgt. Wenn ein oder beide Elternteile ausfallen, so ist ein
Überleben des Wurfes, zumindest wenn er schon etwas älter ist, immer noch möglich.
Die Rangordnung der männlichen Tiere ist labiler als die der Weibchen. Durch
spielerische Auseinandersetzungen wird sie immer wieder auf die Probe gestellt.
Zeigt der Alpha-Wolf Anzeichen von Schwäche, können die Auseinandersetzungen
ernsthaften Charakter annehmen. Dies kann mit der Ablösung des bisherigen
Alpha-Wolfes enden, der das Rudel verlassen muss, um nicht getötet zu werden.
Die Alpha-Wölfin behält hingegen ihren Rang weitaus länger. Sie ist es, die
langfristig das Rudel dominiert.
Seitdem Wölfe in Mittel- und Westeuropa unter Schutz stehen, können sich die
kleinen Populationen stabilisieren. Man hört auch hin und wieder, dass Wölfe
in Gebiete, die sie früher besiedelten, aus denen sie aber vertrieben wurden,
zurückkehren. So leben zum Beispiel auch im Osten Deutschlands wieder einige Wölfe,
die aus Osteuropa gekommen sind. Ob der Wolf auch in Gebieten, aus denen man ihn
verdrängt hatte, wieder heimisch wird, ist in erster Linie von der Toleranz der
Menschen abhängig, die glücklicherweise im Wolf immer weniger die gefährliche
Bestie aus dem Märchen sehen.
Quelle: http://tiermagazin.naturecom.de/text/wolf.html
Das Märchen vom bösen Wolf
Keinem anderen Tier wurden so viele unsympathische Eigenschaften nachgesagt wie dem Wolf. Doch 150 Jahre nach seiner Vertreibung kehrt er wieder in die Alpen zurück.
Schlechter Ruf
Von den Urmenschen wurden Wölfe noch als ihresgleichen akzeptiert: als Jäger.
Vor 100.000 Jahren begann wahrscheinlich sogar eine uralte Freundschaft. Wölfe
wurden zu Weggefährten, später sogar zu Jagdgehilfen und Wächtern. Sonst
kamen sich in der Frühzeit Mensch und Wolf kaum in die Quere. Zu groß war das
Gebiet, zu dünn die Besiedelung. Die Wölfe konnten ungestört in riesigen
Revieren umherstreifen, und der Reichtum an Beutetieren ernährte stattliche
Rudel. Die Vertreibung der Wölfe begann erst mit der Zerstörung der Waldflächen
im Zuge der Ausweitung der Almwirtschaft. Mit der Vereinnahmung ihres
Lebensraumes kam ihnen auch die Beute abhanden, und so machten sie Jagd auf gut
genährtes Weidevieh. Vom Menschen wurden sie daraufhin gnadenlos verfolgt.
Gleichzeitig rankten sich auf Grund ihrer Lebensgewohnheiten die haarsträubendsten
mystischen Geschichten um sie. Besonders ihr weithin vernehmbares Heulen, das
den Menschen Angst und Schrecken einjagte, trug dazu bei. Dabei ist das Heulen
nur ein Kommunikationsmittel: Sie kündigen damit die Ankunft eines Rudels an
oder sprechen sich gegenseitig Mut zu.
Comeback
eines Vertriebenen
Vor 150 Jahren wurden die letzten größeren Wolfsrudel im Alpenraum erlegt, und
nur in den entlegensten Regionen hatten etwa 100 Tiere überlebt. Erst seit 1976
stehen sie unter Naturschutz. In den letzten Jahren haben sich die Wölfe wieder
vermehrt in den französisch-italienischen Alpen zwischen dem Mittelmeer und der
Schweizer Grenze angesiedelt. Mehrere Rudel mit knapp 30 Tieren haben sich dort
wieder fest etabliert. Ein Wolfsrudel ist eine hoch entwickelte
Organisationsform, in der alles genau geregelt ist: wer zum Beispiel als
Kundschafter vorauseilt oder wer zum Aufbruch mahnt. Auch die Jagd ist präzise
organisiert: Einige Wölfe treiben die Beute, eine andere Gruppe schneidet ihr
den Weg ab. Ist ein Tier erlegt worden, werden zuerst die nahrhaften Innereien
freigelegt. Herz, Lunge und Leber sind dabei dem Leitwolf vorbehalten. Auch
sonst unterliegt der Zugang zur Beute der strengen Rangordnung des Rudels. (Anm.
des Web-Autors: Ist so wohl nicht richtig!)
Gute
Aussichten
In Europa sind Wolfsrudel mittlerweile so klein wie möglich: Zwei erwachsene
Tiere und ihre Jungen. Die Wölfe passen sich damit der Beutesituation in ihrem
Revier an. Je weniger es zu fressen gibt, umso kleiner die Rudel. Und nur der
Leitwolf und die Leitwölfin haben nach den Regeln des Rudels das Recht, sich
fortzupflanzen. Die Bedingungen für die Rückkehr der Wölfe sind so gut wie
schon lange nicht: Die Bergwälder haben sich wieder weiträumig ausgebreitet
und der Bestand an Beutetieren ist größer als noch vor 200 Jahren. Zudem hat
die Viehwirtschaft auf den Almen in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung
verloren.
Quelle: www.zdf.de
Das alle unsere Hunde vom Wolf, Canis
lupus, abstammen, ist inzwischen einwandfrei nachgewiesen. Fast 250 Jahre
lang wurde der Hund in der Zoologischen Systematik als eine eigene Spezies
angesehen und trug den Namen Canis familiaris.
Im Jahr 1993 wurde dieser Fehler korrigiert. Die korrekte wissenschaftliche
Bezeichnung für den Hund ist nun Canis lupus familiaris. Das bedeutet,
das alle Hunde zur Spezies lupus (Wolf) gehören und denn zur Subspezies familiaris
gehören. Übersetzt bedeutet der wissenschaftliche Name Canis lupus
familiaris nichts anderes als "Wolf, domestizierte Hausform"!
Bestätigt wurde diese Korrektur in der 1993er Ausgabe "Mammal Species
of the World", dem Referenzwerk der Smithsonian Institution zur
Klassifizierung und geographischen Einordnung der Säugetiere dieser Welt.
Dieses Werk wird in Zusammenarbeit mit der American Society of Mammalogists
und der International Commission on Zoological Nomenclature erarbeitet
und herausgebracht.
Doch wie weit sind Wolf und Hund miteinander verwandt? Allgemein bekannt ist ja,
das Wölfe und Hunde sich problemlos miteinander paaren können und zeugungsfähige
Nachkommen zu Welt bringen. Moderne genetische Untersuchungen haben aber nicht
nur für eine Neuklassifizierung des Hundes in der Wissenschaft gesorgt, sondern
zeigen weitaus verblüffenderes:
Die Untersuchung der Mitochondrien-DNS * ist eine
Standardmethode um Populationen verschiedener Spezies, auch Wölfe, zu testen.
Verschiedene Enzyme, incl. Hind lll, Eco RI, und Bam HI, wurden benutzt, um die
Wolf-DNS aufzuschlüsseln.
Genetische Untersuchungen der Mitochondrien-DNS von Wölfen und Hunden in den
USA zeigten, daß die genetischen Unterschiede zwischen verschiedenen
Wolfpopulationen durchschnittlich 0,16% betrugen. Der genetische
Unterschied zwischen Wolf und Kojote betrug etwa 3,1%, und der Unterschied
zwischen Hund und Wolf betrug 0,2% !
(Quelle: Wolves:DANN Pawprinting, Connie Cusick, Woodrow Wilson Collection,
1994)
Auch über das Alter unserer
Hunde entbrannte eine interessante Kontroverse. Die Klärung der Abstammung des
Hundes vom Wolf warf gleichzeitig die Frage nach dem Alter unserer Hunde neu
auf: Aufgrund diverser Knochenfunde waren die Hundeforscher bislang überzeugt,
die Zähmung und Domestizierung der Rudeltiere hätte vor 12 000 bis 15 000
Jahren stattgefunden.
Doch dann warf eine genetische Studie - publiziert im Fachblatt
"Science" - diese Thesen über den Haufen. Durch eine Erbgutanalyse
von Hund und Wolf sind schwedische und amerikanische Evolutionsbiologen zur Überzeugung
gelangt, dass der Ur-Hund zwar tatsächlich vom Wolf abstammt, doch schon vor
rund 135 000 Jahren geboren worden ist. Damit wäre der beste Freund des
Menschen rund zehnmal älter als bislang angenommen.
Traditionelle Hundeforscher zeigten sich - nicht ganz überraschend - von der
neuen Studie brüskiert. "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Wölfe
schon so früh domestiziert wurden", sagte der Schweizer Kynologe und
Buchautor Hans Räber. "Man müsste archäologische Funde haben, und die
haben wir nicht." Und nicht einmal bei den ältesten, rund 14 000 Jahre
alten Ausgrabungen, so Räber, sei es immer klar, ob es sich um Wölfe oder
Hunde handle.
Joakim Lundeberg vom Königlichen Technologie-Institut in Stockholm, einer der
Autoren der genetischen Studie, ist da anderer Meinung: "Die frühen
Menschen waren nomadische Jäger und Sammler", sagte der Biochemiker. Weil
damals keine "Friedhöfe" existierten, sei es nicht zwingend,
Hundefossilien neben solchen von Menschen zu finden.
Bislang sind alle Versuche gescheitert, die Abstammung des Hundes mit herkömmlichen
Methoden genetisch zu bestimmen. Denn Wölfe, Schakale, Kojoten und Hunde sind
schlicht zu nah verwandt. Deshalb benützte das Team um Lundeberg und Bob Wayne
von der University of California in Los Angeles einen Trick: Es verglich nicht
das "normale" Erbgut aus dem Zellkern, sondern DNS-Fragmente aus den
Mitochondrien, den "Kraftwerken" in den Zellen. Im Gegensatz zum
normalen Erbgut, das eine Mischung aus väterlichen und mütterlichen Genen
darstellt, wird die Mitochondrien-DNS nur von der Mutter vererbt. Sie ist daher
"reiner". Ferner ist das Mitochondrien-Erbgut nicht sehr stabil,
und daher häufen sich Veränderungen, sogenannte Mutationen, relativ schnell
an.
Schakal und Kojote kommen als Vorfahren des Hundes nicht in Frage. Diese
Tatsache nutzten Evolutionsforscher wie Lundeberg aus: Je unterschiedlicher die
DNS-Fragmente zweier Individuen, desto länger - evolutionsmässig betrachtet -
sind sie voneinander getrennt. Die Mitochondrien-DNS diente den Forschern also
quasi als "Evolutionsuhr".
Für die Studie testeten Lundeberg und Wayne 162 Wölfe aus der ganzen Welt und
140 Hunde von 67 verschiedenen Rassen. Das Resultat: Drei Viertel aller Hunde
sind - trotz ihrer durch Züchtung erreichten bunten Formenvielfalt - relativ
nah miteinander verwandt und stammen vermutlich von einer einzigen Wolfsmutter
ab. Und: Die Mitochondrien-DNS von Kojoten und Schakalen unterscheidet sich von
derjenigen der Wölfe und Hunde noch stärker. Etwa eine Million Jahre sei es
her, folgerten die Forscher, seit sich diese von den Wölfen getrennt hätten.
Als direkte Vorfahren für den Hund kommen sie also nicht in Frage.
Quelle: Amarok- wo die
Wölfe heulen
In Sachsen jagt wieder ein
Wolfsrudel
Zum ersten Mal seit 150 Jahren hat sich in Deutschland wieder ein Wolfsrudel
angesiedelt. Besonders in Brandenburg und Sachsen räumen Experten dem Räuber
gute Überlebenschancen ein. Vielerorts jedoch hält sich hartnäckig das Bild
von der blutrünstigen Bestie.
Die Spur des Räubers ist noch frisch. Deutlich zeichnen sich die Pfotenabdrücke
im feuchten Sand ab, führen aufgereiht wie Perlen auf einer Schnur den flachen
Hang hinauf. Ein paar Schritte noch, dann verliert sich die Spur im Heidekraut.
Rolf Röder kniet nieder und legt ein Maßband an eines der Trittsiegel.
"Elf Zentimeter", vermeldet der Förster, "das ist ein
ausgewachsener Wolf gewesen und er war sehr schnell unterwegs."
Röder muss es wissen. Regelmäßig trifft der Leiter des Bundesforstamts
Muskauer Heide im sächsischen Weißkeißel derzeit auf Isegrims Spuren. Mal ist
es nur ein Pfotenabdruck im Sand. Dann wieder stößt der Förster unter
Mithilfe von Rauhaarteckel "Berry" auf eine Losung voller Haare oder
die kläglichen Überreste eines gerissenen Rothirsches im Unterholz. "Das
Wild in der Gegend ist unruhig", berichtet Röder: "Die Tiere spüren
den Räuber."
Kein Zweifel: In Sachsen ist der Wolf los und er scheint sich wohl zu fühlen.
Mehrfach schafften es einzelne Wölfe in den letzten Jahren schon über die
deutschpolnische Grenze. Seit im vergangenen Herbst jedoch in der Muskauer Heide
erstmals sechs der Beutegreifer zusammen gesehen wurden, ist die Sensation
perfekt: "Zum ersten Mal haben Wölfe in Deutschland wieder in freier
Wildbahn erfolgreich Nachwuchs aufgezogen", schwärmt Frank Mörschel,
Biologe des World Wide Fund for Nature (WWF). Auch Michael Gruschwitz vom sächsischen
Umweltministerium ist begeistert: "Dies ist nicht nur die einzige
Population in Deutschland, sondern im gesamten westlichen Mitteleuropa."
Ausgerechnet den vom Militär intensiv genutzten Truppenübungsplatz Oberlausitz
im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien Schießbetrieb
an fünf Tagen in der Woche haben die heimlichen Jäger auserkoren, um als
erste Wölfe seit rund 150 Jahren ihre Welpen wieder auf deutschem Boden
aufzuziehen. "Der Truppenübungsplatz liegt genau auf einer der uralten
Wolfsrouten", erläutert Gruschwitz, "ein riesiges Areal völlig
ruhig und sehr wildreich." Kaum besser hätten die Tiere den Ort für ihre
Rückkehr wählen können, sagt Gruschwitz. Denn das Areal sei scharf bewacht:
"Lange kann sich da niemand ungesehen aufhalten."
Das ist vielleicht auch besser so. Denn so- sehr sich Artenschützer derzeit über
das sächsische Wolfsrudel freuen: Nicht überall wird die Rückkehr des Tieres
mit so viel Sympathie gesehen. Passt der Wolf überhaupt noch in die moderne
Kulturlandschaft? Soll der Räuber, der weltweit keineswegs vom Aussterben
bedroht ist, wirklich wieder in unseren Wäldern heulen?
Jäger und Viehzüchter haben vielerorts nur eine Antwort auf solche Fragen.
Erst vor wenigen Wochen brachte ein Waidmann in der Schweiz einen Wolf zur
Strecke, der seit März in Graubünden und im italienischen Grenzgebiet bei 14
Attacken rund 50 Schafe gerissen haben soll. In der Toskana und im französischen
Nationalpark "Le Mercantour" laufen Schafzüchter Sturm gegen den Rückkehrer.
Und in Norwegen erlegten kürzlich Jäger vom Hubschrauber aus trotz
internationaler Proteste neun Wölfe an der Grenze zu Schweden.
Für unberechenbar und hochgefährlich halten viele Menschen die Tiere bis
heute, für Menschen fressende Monstren gar, deren "ungezügelter
Blutdurst" (Alfred Brehm) in zahllosen Mythen und Legenden kolportiert
wird.
Als "Bestie von Gévaudan" etwa wurde ein Wolf legendär, der im
18.Jahrhundert in der Auvergne gewütet haben soll. Jäger des Königs
versuchten den vorgeblichen Frauen- und Kinderfresser bei Treibjagden unter
Mithilfe von bis zu 20 000 Bauern zu erlegen. Oder der "Tiger von Sabrodt":
Angeblich 41 Kilogramm schwer, war der Wolf in der Gegend um Hoyerswerda als
"raubsüchtiges Ungetüm" verschrien.
Wiederholt durchbrach das Tier die Schützenlinien der Jäger, bis es schließlich
doch von einem Förster niedergestreckt wurde.
Entging einer der Wölfe den Kugeln, brachten Bauern die "schändlichsten
Raubthiere" in "Wolfsgruben" oder an mit Fleischködern
versehenen Eisenhaken, den so genannten Wolfsangeln, grausam zur Strecke. Die
Lustjagden des Adels beschleunigten die Ausrottung noch und gingen mit einer
beispiellosen Rufmordkampagne einher. Anfang des 19. Jahrhunderts brachten die
Gebrüder Grimm ihr Wolfsmärchen über die "kleine süße Dirne" mit
dem "Käppchen von rotem Sammet" zu Papier. 1846 war der letzte Wolf
im Bayerischen Wald tot.
Kurze Zeit später verschwanden die Tiere auch aus dem Brandenburgischen.
Nur die unzugänglichen Schluchten und Höhenzüge etwa der Karpaten und des
Kantabrischen Gebirges in Spanien boten den Wölfen schließlich noch Schutz vor
menschlicher Verfolgung. Seit 1982 in vielen europäischen Ländern ganzjährig
geschützt, macht sich Isegrim in den letzten Jahren allerdings wieder auf gen
Westen. Vor allem junge Wölfe folgen auf der Suche nach neuen Revieren wieder
den feuchten Urstromtälern und Bergkämmen, die schon ihre Urahnen
entlangschlichen. Längst sind sie von den italienischen Abruzzen aus nach
Norden vorgedrungen. Wölfe wurden im Schweizer Kanton Wallis gesichtet. In
diesem Jahr tauchten sie im Tessin und in Graubünden auf.
Auch Deutschland gilt wieder als Einwanderungsland für den Graupelz. Einigen
der Langstreckenläufer gelingt es, von Ostpolen aus bis zum Urwald von Notecka
in Westpolen vorzudringen und von dort aus die Oder zu erreichen. Andere nehmen
den Weg über die Berge: Der polnischen Südgrenze entlang folgen sie den Höhenzügen
der Karpatenund Sudeten bis ins Erzgebirge.
Auch die Wölfe in der Oberlausitz müssen den Weg über die Sudeten genommen
haben. "Vermutlich aus südöstlicher Richtung" hätten sie die Grenze
erreicht und schließlich die Neiße durchschwommen, glaubt Rolf Röder. Den
ersten Wolf machte der Förster 1996 auf dem Truppenübungsplatz aus. Im
September 1998 begegnete er erstmals einem Paar.
"Ein stürmischer Tag", erinnert sich Röder. Gegen den Wind sei er
mit dem Geländewagen etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang unterwegs gewesen,
als plötzlich die beiden Tiere auf dem Sandweg standen. "Der Anblick
dauerte nur Sekunden dann gaben sie Fersengeld." Inzwischen ist eines
der Tiere mit einer Infrarotkamera gefilmt worden. Zahllose Soldaten haben
Isegrim schon erspäht unter ihnen Oberleutnant Andreas Müller, der für die
Schießsicherheit auf dem Truppenübungsplatz zuständig ist. Die Wracks
russischer T-72-Panzer und 152-mm-Selbstfahrlafetten ragen als
"Hartziele" aus der Wildnis und werden regelmäßig mit schwerem Geschütz
beschossen. Immer wieder geht die Heide in Flammen auf. Nur durch breite
Brandschutzstreifen kann das Feuer gestoppt werden.
Doch der simulierte Krieg scheint die Wölfe nicht zu stören. Auf sie muss die
Muskauer Heide ohnehin wirken wie das Schlaraffenland: Dichter Kiefernwald
wechselt sich ab mit sandigen Flächen und kleinen Mooren. Rotwild und Rebhühner
sind auf dem etwa 14 500 Hektar großen Truppenübungsplatz im Überfluss
vorhanden Menschen dagegen kaum.
Das Wolfsidyll könnte jedoch von kurzer Dauer sein. Glaubt man Experten, ist es
nur eine Frage der Zeit, bis einige der jungen Wölfe weiterziehen. Schon jetzt
macht das Rudel auch von renaturierten Braunkohle- Tagebauflächen in der Nähe
Gebrauch. "Wölfe sind Opportunisten", sagt der Wolfsforscher
Christoph Promberger. "Sie brauchen nur zwei Sachen zum Überleben:
ausreichend Nahrung und die Sicherheit, nicht vom Menschen abgeschossen zu
werden."Auch in der Kulturlandschaft könne der Wolf problemlos
zurechtkommen, berichtet Promberger. In den großen Getreidesteppen Nordspaniens
etwa würden die Rudel ihre Welpen in den Feldern aufziehen. Die italienischen
"Spaghettiwölfe" der Vororte Roms ernährten sich von Nudelresten. In
Rumänien konnte Promberger sogar beobachten, wie eine Wölfin ihren Nachwuchs
direkt am Stadtrand von Brazov, einer der größten rumänischen Städte,
aufzog. Im Stadtpark machte das Weibchen Jagd auf Katzen und Hunde. Morgens lief
das Tier seelenruhig durch den Berufsverkehr zurück in seine nahe Höhle.
Promberger betreut seit Jahren ein vom WWF gefördertes Raubtierprojekt in den
rumänischen Karpaten. Neben Luchsen und Bären leben dort noch Hunderte von Wölfen
in direkter Nachbarschaft zum Menschen. Doch die Schäfer der Region haben sich
auf die Raubtiere eingestellt. Zottelige Hütehunde, die unter den Schafen
aufwachsen, verteidigen dort ihr Ersatzrudel gegen die wilde Verwandtschaft.
Spezielle Elektrozäune halten die Wölfe nachts von den Schafen fern. Wird doch
einmal ein Haustier gerissen, erhält der Schäfer Geld vom Staat. Wachsendes
Interesse am Wolfstourismus spült im Gegenzug Geld in die Gemeindekassen.
Ein ähnliches Modell erhoffen sich Wolfsschützer nun auch für Deutschland.
Schon 1994 erstellte Promberger einen Wolfs- Managementplan für Brandenburg.
Das Papier sieht vor, dass "Problemwölfe" "als letztes
Mittel" sogar getötet werden. "Wo nur ab und zu Schäden auftreten,
sind Zahlungen an die Bauern sinnvoll", sagt der polnische Wolfsexperte
Wlodzimierz Jedrzejewski. Wenn sich jedoch ein Rudel auf Vieh spezialisiert
habe, müsse zum Gewehr gegriffen werden: "Sonst ist sämtliche Akzeptanz für
den Naturschutz dahin."
Eine seltene Allianz tut sich auf. Denn unter ähnlichen Vorzeichen stehen auch
die Schäfer in Deutschland den Rückkehrern durchaus positiv gegenüber.
Christoph Behling etwa, Zuchtleiter des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg,
sieht derzeit keinen Anlass zur Sorge. "Der Wolf lernt zwar, bequeme
Nahrungsquellen zu nutzen und etwas Bequemeres als eine ungeschützte
Schafsherde gibt es nicht", sagt Behling. "Wir werden es dem Räuber
jedoch so unbequem wie möglich machen."
Von so viel Aufgeschlossenheit ermutigt, räumen Wolfsforscher Isegrim besonders
in Brandenburg und Sachsen inzwischen wieder gute Überlebenschancen ein.
Allerdings befürchten sie auch, dass die wohlwollende Stimmung schnell
umschlagen könnte, wenn erst die ersten sieben Geißlein tot auf der Weide
liegen. Mindestens 100 bis 200 Wölfe könnten nach Berechnungen von Experten in
den Wäldern der Schorfheide und der Märkischen Schweiz Platz finden. Derzeit
ziehen jedoch Recherchen des Internationalen Tierschutzfonds IFAW zufolge neben
dem sächsischen Rudel maximal sechs weitere Tiere durch den deutschen Osten.
Und noch fast jeder Wolf, der seit dem Zweiten Weltkrieg seine Pfote auf
deutschen Boden setzte, endete letztlich im Gehege, unter einem Auto oder tot im
Wald.
Gerade den Jägern gilt Isegrim immer noch als unliebsame Konkurrenz im Revier.
"Wir haben nichts gegen die Rückkehr des Wolfes", beteuert zwar
Wolfgang Bethe, Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, rühmt das Tier
jedoch im selben Atemzug als "potenziell interessantes Jagdwild". Erst
kürzlich wurden zwei Jäger in Brandenburg zu Geldstrafen verurteilt, weil sie
eingewanderten Wölfen eine Kugel verpasst hatten.
Mehr Glück, aber letztlich auch das Nachsehen, hatte Wolf "Naum", der
Anfang 2000 in der Nähe von Eisenhüttenstadt auftauchte. Der dreibeinige Rüde
ein Bein hatte er vermutlich in einer Falle verloren lief erst einer läufigen
Schäferhündin hinterher und dann mit ihr im Wolfsgalopp in die "Bild"-Zeitung.
Eine Sympathiewelle ohne Beispiel überrollte das ungleiche Paar. Die Folge: Zunächst
wurde der "verliebte Wolf" gefangen. Dann erhielt er ein Dauervisum für
ein Gehege im Wildpark Schorfheide.
"Die Leute müssen endlich aufhören, vor dem Wolf Angst zu haben",
schimpft Wolfsforscher Promberger. In den rumänischen Karpaten gebe es 3000 Wölfe.
Dennoch sei in den letzten 30 Jahren kein einziger Fall bekannt geworden, bei
dem ein Wolf einen Menschen angegriffen habe. "Wölfe lernen schon im
Welpenalter von ihren Eltern, was Beute ist und was nicht", erläutert
Promberger. Der Mensch gehöre nicht zur Beute, weil die Tiere seit
Jahrhunderten die Jäger fürchteten.
"Der Wolf ist für den Menschen nicht gefährlich", beteuert auch
Michael Gruschwitz vom sächsischen Umwelt- ministerium. Voller Begeisterung über
das neue Vorzeigerudel hat der Artenschutzexperte nun vor allem das Wohl der
Tiere im Blick. Selbst Forscher will Gruschwitz derzeit nicht auf dem Truppenübungsplatz
lassen. Noch in diesem Winter soll in Weißkeißel die "erste deutsche
Wolfskonferenz" stattfinden, um das weitere Vorgehen mit Arten- schützern
und Jägern abzustimmen.
Dann wird sich zeigen, ob Sachsen reif ist für den Wolf. Isegrim selbst
jedenfalls scheint sich der Sache bereits sicher zu sein. Forstamtsleiter Röder
hat vor Ort gerade die Spuren zweier neuer Jungtiere ausgemacht. Anfang
September hörte er einen der Wölfe erstmals heulen.
"Es war gegen acht Uhr abends", berichtet Röder. Während die tief
stehende Sonne den Himmel in ein kräftiges Rot tauchte, habe er auf einmal
dieses "Uhuhuhu" in der Ferne gehört. "Ein Hund war das
nicht", sagt der Förster. Und nach kurzem Zögern: "Vielleicht waren
es aber auch nur ein paar Wolfsliebhaber, die ein Tonband abgespielt haben, um
die Tiere aus der Reserve zu locken."
PHILIP BETHGE
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