STADT DER WÖLFE

Im Jahr 1972 wurde ein Fallschirmjäger-Bataillon  nach Merzig (Saarland) verlegt. Beim Einzug in die Stadt marschierte die russische Braunbärin Kalinka mit mir an der Truppenspitze.
Wer hätte damals gedacht, daß Merzig einmal die "Stadt der Wölfe" werden würde!
(Werner Freund in seinem Buch "Werner Freund - Der Wolfsmensch)

Die Natur kennt keine Bestien; sie werden von Menschen gezüchtet

Immer wieder sagen Leute über einen bissigen Hund, er sei   "so scharf wie ein Wolf".
Doch
WOLF IST WOLF UND HUND IST HUND! Durch jahrtausendelange Züchtung sind verschiedene Hunderassen zum Gebrauchtsobjekt oder zur Waffe für Ihre Besitzer geworden. Der Wolf hingegen ist ein Wildtier geblieben, und sein Naturell widersetzt sich der Macht des Menschen, der versucht, alles im Tierreich zu beherrschen und auszubeuten. In diesem Sinne wird der Wolf in unserer auf Profitstreben ausgerichteten Gesellschaft als nutzloses oder gar schädliches Geschöpf angesehen.
Enttäuschend verlief früher wie noch heute für gewisse Hundezüchter die Einkreuzung eines Wolfs oder einer Wölfin in eine bestimmte Hunderasse. Sie hatten erwartet, daß die "Schärfe" des Wolfs bei den Kreuzungswelpen weiterwirkt. Doch das Gegenteil war der Fall. Denn es zeigte sich, daß die Menschenscheu des Wolfs genetisch tief verwurzelt ist und als dominierende Eigenschaft vererbt wird. Mit diesen scheuen Tieren, die sich dem menschlichen Unterwerfungswillen widersetzten und unter Zwang zu Angstbeißern wurden, war nichts anzufangen. Sie ließen sich partout nicht darauf dressieren, andere Menschen anzugreifen, waren somit für die Züchter nicht als Gebrauchshunde zu verwenden und galten damit als minderwertig.
(Quelle: Werner Freund - Der Wolfsmensch)


Er träumt davon, ein Wolf zu sein

Bericht über Werner Freund und seine Wolfsrudel.
Aus DIE WELT  Nr. 100-18

Die Wölfe kehren zurück nach Deutschland - Werner Freund will den Menschen die Angst vor dem Urahnen der Hunde nehmen.

Von HANS-WERNER LOOSE
Merzig - Canis lupus kehrt zurück. Wölfe streben aus Polen nach Brandenburg, wo 1823 das letzte Tier erlegt wurde. Sie fallen von Italien ins schweizerische Wallis ein; sie heulen im Tessin und in Graubünden - zur Freude der Naturschützer, zum Ärger der Schäfer. Im Saarland ist der unzähmbare Urahn aller Pinscher und Pudel, Doggen und Dobermänner längst heimisch: auf vier Hektar im Merziger Kammerforst.

Werner Freund (65) lebt mit Rudeln, die als Synonym für Wildnis gelten und als Gegenpol zur überregulierten Zivilisation. Er hat sich ihren Gesetzen unterworfen, fühlt sich als "Wolf unter Wölfen" und verspottet Hunde als "entartete Supermarkt-Raubtiere". Nachts träumt der drahtige, bärtige Mann davon, selbst ein Wolf zu sein. Nachdem er im oberhessischen Garbenteich als Sechsjähriger seine Welpe Flora aufgezogen und sie zum Schafehüten abgerichtet hatte, wollte Werner Freund Förster werden. Doch er wurde Gärtner und pflegte den Garten der Stuttgarter Wilhelma. Er half einem Löwenbaby auf die Welt, fing einen entlaufenen Rehbock ein und rettete eine Elefantenkuh vor dem Feuer. Die beiden Wölfe in einem kleinen Gehege faszinierten den Jungen am stärksten - aber sein Weg zum Wolf führte über den Bären.

Freund ging 1934 zum Grenzschutz, wechselte zwei Jahre später zur Bundeswehr umd bildete in den Pfälzer Wäldern Einzelkämpfer aus. Der Kommandeur des Fallschirmjäger-Bataillons 262 befahl seinen Feldwebel zu sich, "um ein angemessenes Maskottchen aufzutreiben". Der Zugführer gehorchte; er erstand bei einem Tierhändler für 400 Mark eine russische Braunbärin, mit der er lieber im Wald als in der Kaserne übernachtete und deren schwere Hiebe auf die Helme der Rekruten "wie ein Ritterschlag waren".

Nach seinem "Bärendienst" fürs Vaterland las der Stabsfeldwebel a. D. beim Frühstück mit seiner Frau Erika in einer Zeitung für Geflügelzüchter ein Inserat: "Drei junge Wölfe abzugeben." Er fuhr mit einem Scheck über 400 Mark vom Ersparten zu einer Zoohandlung nahe Darmstadt und kaufte den ersten der Welpen, die sein Leben veränderten: "Wenn ich damals gewußt hätte, was ich heute weiß, hätte ich den ganzen Wurf nehmen müssen."

Hinter seinem Blockhaus am Rand des Merziger Mischwalds geht Werner Freund durch eine Sicherheitsschleuse zu drei weißen Polarwölfen, als seien es Meerschweinchen. Zu seinen Füßen entblößen zwei riesige, 50 Kilogramm schwere Rüden die Fangzähne und knurren, Kehle an Kehle. Eine Wölfin reckt den Kopf in den Regen und heult. "Ich bin kein Leitwolf", ruft der Wolfsmensch durch den Zaun des Geheges, "ich bin nur ein Kumpan des Alphawolfs; mit ihm muß ich klarkommen."

Alphatiere führen die geschätzten 300 000 Wölfe auf der nördlichen Erdhalbkugel. Der Leitwolf ist der unumschränkte Herrscher; nur er darf sich fortpflanzen; er trifft in freier Wildbahn alle Entscheidungen Aufbruch der Kämpfer zur Jagd, Betreuung des Nachwuchses durch die Ammen, Beginn der Wanderung. Freund nennt ein Projekt in den rumänischen Karpaten "beispielhaft": Für 850 000 Mark, mit Zuschüssen von der Stiftung Euronatur und von der Weltbank, leben 3000 Tiere in einer Gegend, die einst Transsylvanien hieß und als Heimat des Grafen Dracula verrufen war.

Sein "Wolfpark" für den er den Saarländischen Verdienstorden erhalten hat, sei "leider nur ein "Miniaturreservat" mit 25 Tieren - indische und europäische Grauwölfe, weiße Arktiswölfe, kanadische Timberwölfe. Werner Freund geht in die abgeschotteten Gehege mit sechs Rudeln, die für jeden Außenseiter der wölfischen Gemeinschaft tödlich wären. Indes: Vor jedem Besuch muß er einen anderen seiner sechs Bundeswehr-Overalls anziehen, weil der Geruch rivalisierende Rudel zum Angriff reizen würde: "In den Großfamilien hat jeder seinen Platz, für jeden ist gesorgt - aber Eindringlinge werden nicht geduldet."

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz lobte den Wolfsforscher; Heinz Sielmann stellt ihn in eine Reihe mit Heinz Meynhardt. der mit Wildschweinen auf Trüffelsuche ging. "Der Mensch hat den Hund domestiziert", doziert der Autodidakt Freund, "ich habe mich von den Wölfen domestizieren lassen und bin ein Teil ihrer Lebensgemeinschaft." Manchmal sei er "erstaunt, wie sehr ich schon zum Wolf geworden bin"

Für jährlich 100 000 Besucher von Jever bis Japan ist Freund der furchtlose Mann, der in Merzig mit dem Wolf tanzt, rauft und schläft. Aber er hat auch andere Gäste, schlimmere als jene, die keine Münzen als Spenden in die Parkuhren stecken, um zum Fleisch aus der Kühltruhe - zwei Kilo pro Tier und Tag - beizutragen. Wie das Paar mit dem Pitbull: Vor dem Maschendraht, der ein Rudel Timberwölfe vom Waldweg trennt, läßt der Mann seinen Kampfhund von der Leine. Der Alphawolf springt knurrend gegen den Zaun; der Pitbull schaut ihm ins bernsteinfarbene Auge und sucht winselnd Schutz bei seinem enttäuschten Herrn. "Es gibt schon komische Leute", sagt Freund und erzählt von einem, der ihm seinen Schäferhund als Futter angeboten hat: "Das arme Tier hatte die Schutzhundeprüfung nicht bestanden."

Werner Freund freut sich auf die Rückkehr der Wölfe. Sie würden "höchstens mal ein Schaf reißen", meint er und nennt die jüngsten Jagdszenen aus der Eifel "ganz überflüssig": Vier von fünf Wölfen, die aus einem Gehege entkommen waren, wurden inzwischen abgeschossen - "dabei wären sie bestimmt freiwillig zurückgekehrt,wenn man sie nur gelassen hätte". Dem Menschen, ihrem einzigen Feind, würden Wölfe nie gefährlich werden: "Schließlich ist die Geschichte vom Rotkäppchen, dessen Großmutter vom bösen Wolf gefressen wurde, nichts als ein böses Märchen."


Alle seine Wölfe hat Werner Freund selbst aufgezogen. Er ist ihr Kumpan, der sich aber auch energisch - sogar beißend! - zur Wehr setzt, wenn mal ein Wolf in seiem Überschwung zu grob wird.

TIP: Werner Freund, der mit dem Wölfen heult
         Ein Interview mit Werner Freund
        
Ein Oberwolf erzählt
        
Von Wölfen gezähmt


Seit dem 10. Mai 1999 werden von Erika und Werner Freund 3pups.jpg (7381 Byte)3 sibirische Wölfe aufgezogen. Im Alter von 6 Tagen holte Werner Freund die Wölfe zu sich nach Hause.

FreundWolf3.jpg (3928 Byte)Ganz schön frech sind sie mittlerweile geworden,                                            Foto: Hartmann Jenal                                                                  die heranwachsenden Wölfe; und ihre Rangordnungsspiele untereinander werden immer härter.


Foto: Frau Hildegard Hoppe
W. Freund mit Apas, Alfons und Wolfgang

Das Foto zeigt 3 sibirische Wölfe, die am 4. Mai 1999
in einem Wildgehege in Silz/Pfalz geboren wurden.
Sie sind von Werner und Erika Freund mit der Milchflasche aufgezogen worden. Eine Holzhütte in der Nähe des Wohnhauses gab ihnen Geborgenheit und Schutz.
Bis zur Fertigstellung des großen Geheges, das sie im August 99 bezogen, hatten die Wölfe täglich Freilauf in einem Wildgatter des Forstes. Hier konnten sie ausgelegtes Futter selbst aufspüren.                                                                                                 

Die Patenschaft der 3 sibirischen Wölfe haben übernommen:

Die Wölfe tragen die Vornamen ihrer Paten.


"Wir leben für die Wölfe", das sagte mir Erika Freund am Osterabend bei unserem Telefongespräch. Werner Freund war gerade unterwegs. Ein Landwirt aus der Nachbarschaft hatte ihn kurz vorher angerufen, um ihm mitzuteilen, daß eine Kuh gestorben sei. Frisches Fleisch für seine Wölfe - da spielt es auch keine Rolle ob gerade Ostern ist.
Wir halten unsere 25 Wölfe auf einem 4,5 ha großem, umzäunten Gelände im Kammerwald in verschiedenen Anlagen. Wir freuen uns über 9 Articwölfe, 4 Timberwölfe, 2 Indische Wölfe und über 10 Europäische Wölfe. Erika Freund sagte mir, unter diesen 25 Wölfen sind eine Timberwölfin und ein Timberwolf die 16 Jahre alt sind. Ein Polarwolf ist 14 Jahre alt. Das Futter für die älteren Tiere wird immer aufwendig vorbereitet. So wird das Fleisch in kleine Stücke geschnitten, damit es von den älteren Tieren leichter zerkaut werden kann.

Jedes Projekt bedeutet viel Verantwortung und auch einiges an Entbehrungen. Gemeinsame Urlaube können Erika und Werner Freund nicht unternehmen. Es muss immer jemand von uns zu Hause bleiben, denn Wölfe von Fremden füttern zu lassen, wäre undenkbar sagte mir Erika Freund. In Ihrem Haus hält sie 6 Katzen. Auf dem Hof tummeln sich Hühner und Enten.

Insgesamt 68 Wölfe hat Erika und Werner Freund seit 1972 aufgezogen. Inzwischen lebt Werner Freund  - nach Wolfsart - in jeder Situation eng mit seinen Wölfen zusammen.


Sie erreichen den WOLFSPARK über die Trierer Straße (innerstädtisch) oder über die B 51 in Richtung
Mettlach/Besseringen, Abfahrt Bundeswehrstraße "zur Kaserne Ell", von dieser Bundeswehrstraße dann links
ab bis zum Schützenhaus (großer Parkplatz). Hier zeigt Ihnen dann ein Hinweisschild den kurzen Fußweg in den
Wolfspark.

Öffnungszeiten: Sie können den WOLFSPARK täglich ab Tagesanbruch bis zum Einbruch der Dunkelheit
kostenlos besuchen, die Freigehege umwandern und die Wölfe in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten.

Gruppenführungen ab 40 Personen sind nach vorheriger Terminvereinbarung mit Werner Freund, Waldstraße 206,
66663 Merzig, Telefon und Telefax 06861 /  911818, möglich.

Dem vielfach geäußerten Wunsch nach Einzelführungen oder gar dem Betreten der Gehege kann aus

naheliegenden Gründen NICHT entsprochen werden.

Parkmöglichkeiten: direkt vor dem Wolfspark.

Weitere Infos: Fremdenverkehrsamt der Kreisstadt Merzig, Zur Stadthalle 4, 66663 Merzig
(Tel.: 0 68 61 / 1 94 33; Fax: 0 68 61 / 7 21 20)